ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2001Uniklinik Göttingen: Heilversuche in Massen

AKTUELL

Uniklinik Göttingen: Heilversuche in Massen

Dtsch Arztebl 2001; 98(31-32): A-1996 / B-1684 / C-1580

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
400 Patienten wurden
mit experimentellem Impfstoff behandelt.
B ereits rund 400 Patienten sind in Göttingen mit einem experimentellen Impfstoff gegen Nierenzellkarzinome behandelt worden, dessen Wirkung von außenstehenden Experten angezweifelt wird. Die Pressestelle der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen bestätigte gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt damit einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ von Ende Juli.
Eine Gruppe um Dr. med. Alexander Kugler und Prof. Dr. med. Rolf-Hermann Ringert von der Urologischen Universitätsklinik Göttingen hatte nach positiven Erfahrungen mit dem Impfstoff eine Freigabe der Ethik-Kommission für eine Studie zur Erprobung des experimentellen Vakzins erhalten. Dennoch wurden die etwa 400 Patienten dann außerhalb des Protokolls in „individuellen Heilversuchen“ behandelt. Dieser Verzicht auf eine kontrollierte Erprobung kompliziert die Affäre zusätzlich, die sich um den Impfstoff entwickelt hat.
Derzeit untersucht ein von der Universität Göttingen eingesetztes Gremium, inwieweit die Daten überhaupt glaubwürdig sind, die Grundlage der Hoffnung in das Vakzin sind. Kugler hatte zusammen mit Dr. med. Gernot Stuhler von der Universität Tübingen unter anderem im März 2000 in einem Artikel in „Nature Medicine“ (2000; 6: 332) über Therapieerfolge mit dem „Hybridzell-Vakzin“ berichtet. Beide haben laut Vorspann „gleichwertig zu der Arbeit beigetragen“.
Bereits im Januar hatte die humanmedizinische Fakultät in Göttingen eine Kommission eingesetzt, um Vorwürfe gegen Kugler zu untersuchen. Diese Kommission kam aber nicht zu eindeutigen Schlussfolgerungen. Der Bericht der zweiten Kommission soll bis Mitte September vorliegen.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema