ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2001Hormonersatztherapie: Kardiologen werden vorsichtiger

AKTUELL: Akut

Hormonersatztherapie: Kardiologen werden vorsichtiger

Dtsch Arztebl 2001; 98(31-32): A-1997 / B-1685 / C-1581

Koch, Klaus

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Die Hoffnung auf Vorbeugung gegen Herzinfarkte sollte bei der Entscheidung für eine Hormonersatztherapie in und nach den Wechseljahren keine Rolle spielen. Mit dieser neuen Empfehlung korrigiert die Amerikanische Herzgesellschaft (AHA) ihre bisherige Haltung: Noch 1999 hatten die Kardiologen postmenopausalen Frauen empfohlen, bei der Vorbeugung von Herzkrankheiten auch auf die Einnahme von Östrogen-Präparaten zu setzen.
Die meisten Frauen greifen zu den Pillen, um Wechseljahresbeschwerden zu lindern. Viele Frauenärzte versuchen, ihre Patienten dann aber zu überzeugen, der Therapie noch nach Abklingen der Beschwerden treu zu bleiben. Dabei ist Vorbeugung gegen Herzinfarkte bislang das wichtigste Argument: Von den Amerikanerinnen, die Hormone nehmen, tut das immerhin jede fünfte, weil sie sich einen Schutz erhofft. Das AHA-Autorenteam um Lori Mosca vom New York Presbyterian Hospital hält solche Versprechen nicht mehr für haltbar (Circulation 2001; 104: 499).

Grund für den Meinungsumschwung ist, dass in den letzten Jahren einige Studien, in denen die Wirkung der Hormone erprobt wurde, enttäuschend ausgegangen sind und auch die Risiken neu bewertet wurden (DÄ 2000, 33: A-2145–2146). Mittlerweile zeichnet sich ab, dass Frauen zumindest im ersten Jahr nach Beginn der Östrogen-Therapie sogar mit negativen Wirkungen auf Herz und Kreislauf rechnen müssen, darunter eine leichte Zunahme von Thrombosen und Herzinfarkten. Ob sich diese Bilanz nach langjähriger Einnahme ins Positive kehrt, ist unsicher; weitere Studien legen nahe, dass mit Dauer der Einnahme von Östrogenen das Risiko für Brustkrebs steigt.
Noch im August 2000 haben in Deutschland sieben Ärzteverbände und Fachgesellschaften kalkuliert, dass es bei 1 000 Frauen durch eine zehnjährige Hormonsubstitution zu „sechs zusätzlichen Brustkrebsfällen“ komme, dass aber „60 Herzinfarkte weniger“ aufträten. „Demnach überwiegt der Nutzen der Hormonsubstitution die gesundheitlichen Risiken bei weitem“, urteilten die Ärzte damals (DÄ 2000; 39: A-2512 ff.). Dieser Bewertung widerspricht die Stellungnahme der AHA nun massiv. Bei bereits herzkranken Frauen spricht sich die AHA jetzt ausdrücklich dagegen aus, eine Östrogenbehandlung neu zu beginnen; eine bereits länger andauernde Therapie sollte nur beibehalten werden, wenn die Patientinnen wichtige andere Gründe zur Einnahme haben. Gesunden Frauen wollen die Herzspezialisten nicht von der Therapie abraten; Patientinnen sollten aber nicht erwarten, durch Östrogene vor einem Herzinfarkt und Arteriosklerose geschützt zu sein. Klaus Koch
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema