ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2001Pflegepflichtversicherung: Beiträge sinken

POLITIK

Pflegepflichtversicherung: Beiträge sinken

Dtsch Arztebl 2001; 98(31-32): A-2008 / B-1696 / C-1592

Korzilius, Heike

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LNSLNS Privatversicherer: Kapitaldeckung hat sich bewährt.
Während in der gesetzlichen Pflegeversicherung aufgrund der demographischen Entwicklung mit steigenden Beiträgen gerechnet werden kann, sinken die Beiträge zur privaten Pflegepflichtversicherung. „Das ist der Erfolg des Anwartschaftsdeckungssystems“, sagte Dr. jur. Hans Christoph Uleer, Geschäftsführer des Verbandes der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV), anlässlich der Vorstellung des Tätigkeitsberichts der Medicproof. Das Tochterunternehmen der PKV vermittelte im vergangenen Jahr Gutachtenaufträge zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit von 43 privaten Pflegeversicherungen an 913 ärztliche Gutachter und 57 Pflegefachkräfte. Die Zuordnung zu den Pflegestufen sei in den letzten zwei bis drei Jahren stabil geblieben, so die Leiterin des Ärztlichen Dienstes von Medicproof, Dr. med. Ulrike Dietrich. Im Jahr 2000 wurden im ambulanten Bereich 28 350 Erstanträge bearbeitet, von denen fast die Hälfte in die Pflegestufe 1 eingestuft wurde, 22,8 Prozent der Anträge wurden abgelehnt. Im stationären Bereich wurden 5 198 Anträge bearbeitet, von denen 10,4 Prozent abgelehnt, aber 15,2 Prozent in die Pflegestufe 3 eingeordnet wurden. Die Analyse nach Altersstufen hat ergeben, dass die Antragsteller auf Leistungen aus der Pflegeversicherung vor allem den hohen Altersstufen zuzurechnen sind und zudem im stationären Bereich einen höheren Prozentsatz ausmachten als im ambulanten. Die Gruppe der über 80-Jährigen mache allein 51 Prozent der Erstbegutachtungen aus. In der privaten Pflegeversicherung seien wesentlich mehr Pflegebedürftige in den teuren Pflegestufen eingestuft als in der gesetzlichen Pflegeversicherung, so Dietrich.
„Wir mussten zwar aufgrund des Anwartschaftsdeckungsverfahrens mit höheren Beiträgen zur Pflegeversicherung beginnen, haben jedoch inzwischen bereits zweimal die Beiträge gesenkt“, erklärte Uleer. Bei 8,3 Millionen Versicherten verfügen die Privaten über Rückstellungen in Höhe von 12 Milliarden DM.
Der Medicproof-Geschäftsführer nutzte den Anlass, um mit den jüngsten Vorschlägen zur Einführung von Grund- und Wahlleistungen in die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) hart ins Gericht zu gehen. Die meisten „Abspeckungsvorschläge“ bezögen sich auf subjektiv beeinflusste Leistungen wie Kuren, nicht gutachterpflichtige Psychotherapie und Mittel zur Gewichtsreduktion oder Potenzsteigerung. Derartige Leistungen seien nicht versicherungsfähig, weil die Risikoeintrittswahrscheinlichkeit bei 100 Prozent liege. Solche Zusatztarife würden dadurch enorm teuer: „Dann kann man das Geld gleich zur Bank tragen“, so Uleer. Denkbar sei ein solches System allenfalls beim Zahnersatz.
Gutes Zusammenspiel
von GKV und PKV
Eine Absage erteilte er auch gesetzlichen Tarifen mit Selbstbehalt. Das führe dazu, dass die so genannten guten Risiken die günstigen Tarife wählten. „Aber was passiert, wenn aus einem guten ein schlechtes Risiko wird?“ Eine einmal getroffene Wahlentscheidung müsse für alle Zeiten gelten, wenn es nicht zu erheblichen Verwerfungen im System kommen solle. Uleer: „Die Sozialversicherung in Europa braucht eine Zukunft.“ Es gebe nichts Besseres als das deutsche System mit seinem Zusammenspiel von GKV und PKV. „Wenn es der GKV gut geht, geht es auch der PKV gut.“ Gingen die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen zurück, werde das über die PKV kompensiert. Ein „Riesenpotenzial“ sieht Uleer darin, für die Beitragsbemessung das Gesamteinkommen heranzuziehen. „Das wird allerdings erst kommen, wenn die Politik dazu gezwungen ist“, so seine Prognose. Heike Korzilius
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