BRIEFE

Leichenschau: Fragen

Dtsch Arztebl 2001; 98(31-32): A-2025 / B-1749 / C-1626

Jentsch, Eckhard

Zu der Mitteilung der Bundes­ärzte­kammer „Abrechnung der Leichenschau“ in Heft 25/2001:
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LNSLNS Fallbeispiel: Angehörige/ Heimleiter rufen mich – als Dienst habenden KBV-Notfallarzt – am Morgen an und teilen mit, es sei jemand in der vergangenen Nacht gestorben. Ich begebe mich zu der Leiche und stelle nach sorgfältiger Untersuchung fest, dass diese tot ist. Äußere Verletzungszeichen finde ich nicht. Die Angehörigen/ Betreuer/Heimleiter teilen mit, dass der/die Verstorbene an A/B/C/D-Krankheiten gelitten hätte und X/Y/Z-Medikamente zu sich genommen hätte.
Das bedeutet:
« Ich kenne weder die unmittelbar zum Tod führende Krankheit noch die ursächliche Krankheit, die die unmittelbare Todesursache herbeigeführt hat.
¬ Auch ein moribunder Patient kann eines unnatürlichen Todes sterben. Ich kann – auch bei fehlenden äußeren Verletzungszeichen – nicht ausschließen, dass ein Verbrechen vorliegt (Beispiel Vergiftung).
­ Ich kenne den genauen Todeszeitpunkt nicht und bin auf die Angaben der Angehörigen/Betreuer/Heimleiter angewiesen. Ich bin auch kein Polizeiarzt, der genau sagen kann, ob eine Leiche zwei oder vier Stunden tot ist.
® War der Patient auch noch insulinpflichtiger Diabetiker, finde ich multiple Einstiche von Insulininjektionen und kann nun weder feststellen, ob eine Überdosis Insulin gespritzt wurde und der Patient in einer Hypoglykämie verstorben ist, noch ob ein anderes – tödliches – Medikament gespritzt worden ist.
Fazit: Wie soll ich unter diesen Umständen einen natürlichen Tod bescheinigen? Streng genommen ist die Bescheinigung eines natürlichen Todes nur im Krankenhaus möglich, wenn der Patient vor seinem Tod lückenlos unter ärztlicher Kontrolle stand. Die Todesart einer zu Hause oder im Altersheim zu begutachtenden Leiche kann kein hinzugerufener Arzt ausschließlich durch Inspektion/Palpation feststellen, da man sich auf die Angaben der Angehörigen/Betreuer/ Heimleiter stützen muss. Auch das Fehlen von Anhaltspunkten für einen nicht natürlichen Tod schließt einen solchen nicht aus.
Darf/muss ich also bei der Begutachtung einer Leiche im Altersheim oder zu Hause auf der Todesbescheinigung grundsätzlich „Todesart ungeklärt“ ankreuzen oder nur einen vorläufigen Totenschein ausstellen, damit ich nicht fahrlässig handele?
Wie kann hier ein machbarer Kompromiss gefunden werden zwischen der erforderlichen Rechtssicherheit und dem finanziellen Aufwand beziehungsweise den daraus für die Angehörigen und Beteiligten resultierenden Verunsicherungen, wenn jede Leiche obduziert würde?
Dr. med. Eckhard Jentsch, An den Sperrwiesen 8, 91781 Weißenburg
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