ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2001Leichenschau – Prüfen: Leichenschau in Arztpraxis

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Leichenschau – Prüfen: Leichenschau in Arztpraxis

Dtsch Arztebl 2001; 98(31-32): A-2026 / B-1750 / C-1627

Dubischar, Hanns

Zu der Mitteilung der Bundes­ärzte­kammer „Abrechnung der Leichenschau“ in Heft 25/2001:
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LNSLNS Die genannte Amtsgerichtsrechtsprechung, wonach die Hausbesuchsgebühr nicht neben der Leichenschaugebühr abrechnungsfähig sei, ist an Schäbigkeit nicht zu überbieten. Freilich kann man einen Toten nicht beraten, hier haben die Schöpfer der Gebührenordnung für Ärzte offenbar in Bezug auf die Leichenschau geschlafen. Tatsächlich hat mich schon einmal ein sparsamer Schwabe nach Erhalt der Rechnung gefragt, ob ich seinen verstorbenen Vater beraten hätte. Er war jedoch unter Hinweis auf die Unsinnigkeit der Hausbesuchslegende zu besänftigen. Dessen ungeachtet ist ein Hausbesuch immer noch ein Hausbesuch und dann gegeben, wenn der Arzt zum Zwecke der Arbeit die Praxis oder die Wohnung verlassen muss. Es ist schon ein verwerfliches Lohndumping, wenn man uns für letztlich eine Stunde Arbeit mit Hausbesuch mit einer Gebühr nach Nummer 100 abspeisen will, ein Entrinnen gibt es ja durch die gesetzliche Verpflichtung zur Leichenschau nicht. Wenn die Legende nach Nummer 50 GOÄ für eine Leichenschau nicht anwendbar ist, so solle man eine neue Legende zu diesem Zweck schaffen. Hierzu würde ich etwa Folgendes vorschlagen: „Haus- oder Altenheimbesuch zum Zwecke der Leichenschau und Todesbescheinigung. Eingeschlossen sind: Unterbrechung des Arbeits- oder Freizeitablaufes zum Zwecke einer außerordentlich verantwortungsvollen, aber auch unangenehmen Tätigkeit, möglichst rasch aufgrund der Arbeitsdisposition eines vorab informierten Leichenbestatters. Versuch, eine entgegen allen Anweisungen von Angehörigen oder Heimschwestern festlich und hochgeschlossen angezogene Leiche zu entkleiden. Versuch, die Leibesöffnungen trotz manchmal noch gut gefüllter liegender Windeln zu inspizieren. Ausfüllen eines gigantisch aufgeblähten Formularsatzes entweder auf einem 50 cm hohen Couchtisch oder auf einem unsauberen oder belagerten Küchentisch, gegebenenfalls im Schein einer sparsamen 40-Watt-Birne. Anschließend ausführliche Tröstung von praxisfremden Angehörigen, die man im Leben noch nie gesehen hat. Gegebenenfalls noch abschließende Stellungnahme zum Therapieverlauf und Behandlung durch Kliniken und Kollegen.“
Sollte die genannte Unrechtsprechung seitens Amtsgerichten Bestand haben, so sollte die Ärztekammer wenigstens prüfen lassen, ob man den entkleideten und gewaschenen Toten auch zum Zwecke der Leichenschau in die Arztpraxis bringen kann. In diesem Fall wäre eine Hausbesuchsgebühr tatsächlich entbehrlich.
Dr. med. Hanns Dubischar, Gartenstraße 23, 88212 Ravensburg
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