ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2001Generelles Hepatitis-B-Screening in der Schwangerschaft: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Generelles Hepatitis-B-Screening in der Schwangerschaft: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2001; 98(31-32): A-2046 / B-1731 / C-1627

Parasher, Kirn S.

zu dem Beitrag von Dr. med. Kirn Parasher Dr. med. Marius Bartsch Dr. med.Marion Gstettenbauer Prof. Dr. med. Michael Entezami Prof. Dr. med. Hans Versmold Prof. Dr. med. Burghard Stuck in Heft 6/2001
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LNSLNS Die Einführung des HBsAg-Screening in der Schwangerschaft bedeutet einen wichtigen Fortschritt in der Verhütung der chronischen Hepatitis B. In Deutschland sind ungefähr 0,8 Prozent der Schwangeren chronische Virusträger. Sie stellen für ihre Neugeborenen und Säuglinge wegen der hohen Chronifizierungsrate bei einer Infektion eine hohe Gefahr dar. Der Vorschlag, auf das HBsAg-Screening zu verzichten und dafür alle Neugeborenen schon am Tage der Geburt zu impfen, hat gravierende Nachteile. Die Akzeptanz der Hepatitis-B-Impfung bei Kindern ist in Deutschland mit zirka 60 Prozent noch zu gering (5). Sie wird noch geringer sein, wenn eine frisch entbundene Mutter sich zu einer Impfung entscheiden soll. Aber auch nicht jede Hepatitis-B-Impfung führt bei Neugeborenen zu einem Schutz. Frühgeborene haben, je nach ihrem Gestationsalter, gar keine oder eine schwächere Immunantwort (3). Aber auch bei den Reifgeborenen sind zirka 2,5 Prozent „non-responder“ und zirka 4 Prozent „low-responder“ (2). Deshalb wird eine Antikörper-Kontrolle gefordert, wenn die Impfung des Neugeborenen wegen eines bekannten oder unbekannten HBsAg-Status der Mutter durchgeführt wurde (6). Die Prävention der Hepatitis B muss beim Risikoneugeborenen beginnen.
1984 wurde in Deutschland eine HBsAg-Untersuchung von Schwangeren aus so genannten Riskiogruppen eingeführt. Bei Nachuntersuchungen HBV-infizierter Kinder stellte sich jedoch heraus, dass nur etwa ein Drittel der Schwangeren, die ihre Neugeborenen infiziert hatten, einer der „klassischen“ Risikogruppen angehörten (4). Deshalb entschied man sich, dem Beispiel anderer Länder folgend, für ein generelles HBsAg-Screening in der Schwangerschaft. Der Termin der Untersuchung wird in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich angesetzt, in Deutschland nach der 32. Schwangerschaftswoche, in einigen Ländern bereits in den ersten Schwangerschaftswochen. Seit über zehn Jahren wird von der „Ständigen Impfkommission“ bei Neugeborenen HBsAg-positiver Mütter die Simultanimpfung empfohlen. Nachdem sich herausstellte, dass durch den späten Untersuchungstermin eine größere Zahl von Schwangeren nicht erfasst wird, empfahl die „Ständige Impfkommission“ auch die aktive Impfung Neugeborener von Müttern mit unbekanntem HBsAg-Status (6). Eine Empfehlung, wie sie, entgegen der Behauptung im Diskussionsbeitrag, auch in den USA besteht (1). Unabhängig davon sollte immer versucht werden, die serologische Untersuchung bei der Mutter noch innerhalb der ersten zwölf Stunden post partum nachzuholen. Falschnegative Resultate sind bei einem chronischen Verlauf extrem selten und eigentlich nur bei Diagnose-Escape-Mutanten zu erwarten.
Die Ergebnisse unserer Untersuchung haben wir im „Deutschen Ärzteblatt“ publiziert, um die Problematik allen, die mit Schwangeren und Gebärenden zu tun haben, bewusst zu machen.


Literatur
1. American Acamdey of Pediatrics: Hepatitis B. In: Pickering LK, ed.: Red Book 2000: Report of the Committee on Infectious Diseases. Elk Grove Village, IL, 24th ed. 2000; 298–300.
2. Belloni C, Tinelli C, Orsolini P et al.: Revaccination against hepatitis B virus of non-responding and low-responding infants immunised at birth. A parallel evaluation of rubella and tetatnus vaccine. Vaccine 1998; 16: 399–402.
3. Golebiowska M, Kardas-Sobantka D, Chlebna-Sokól, Sabanty W. Hepatitis B vaccination in preterm infants. Eur J Pediatr 1999; 158: 293–297.
4. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Generelles Screening auf Hepatitis B in der Schwangerschaft. Dt Ärztebl 1994; 91: A-2778–2779 (Heft 41).
5. Laubereau B, Hermann M, Weil J et al.: Durchimpfungsraten bei Kindern in Deutschland 1999. Monatsschr Kinderheilkd 2001; 149: 367–372.
6. Robert-Koch-Institut: Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO)/Stand: Januar 2000; 2000: 9–20.

Anschrift für die Verfasser:
Dr. med. Kirn S. Parasher
Kinderklinik der Freien Universität Berlin
Universitätsklinikum Benjamin Franklin
Hindenburgdamm 30
12200 Berlin

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