ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2001Devon und Cornwall: Von Paddington bis „Land’s End“

VARIA: Feuilleton

Devon und Cornwall: Von Paddington bis „Land’s End“

Dtsch Arztebl 2001; 98(31-32): A-2048 / B-1770 / C-1646

Sick, Hans-Peter

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LNSLNS Auf den Spuren von Agatha Christie,
Daphne du Maurier und Rosamunde Pilcher

Abfahrt ist ausgerechnet am Bahnhof Paddington in London. Allerdings nicht um 16.50 Uhr, sondern eine gute Stunde später. Dabei wollen wir uns im Südwesten Englands in den Grafschaften Corn-wall und Devon auf die Spuren großer Schriftstellerin-nen begeben. Agatha Christie, Daphne du Maurier und auch Rosamunde Pilcher beschreiben in ihren Romanen immer wieder ihre cornische Heimat, die gespickt ist mit schroffen Felsküsten, schmalen Sandstränden, grüner
Bilderbuchlandschaft, alten Schlössern und schaurigen Moorlandschaften. „16.50 Uhr ab Paddington“ ist der Titel eines Kriminalromans von Agatha Christie. Darin wird Miss Marple Zeugin eines Mordes, doch eine Leiche gibt es nicht. Vermutlich wurde diese in einem Schloss vergraben, und davon gibt es genug an der Strecke zwischen London und Torquay.
Geboren 1890 in Torquay, ließ sich die „Queen of Crime“ von den Orten entlang der englischen Riviera inspirieren. Im „Grand Hotel“ verbrachte sie Weihnachten 1914 ihre „Flitterwochen“ (es war eine einzige Nacht) mit ihrem ersten Mann Archie. Entlang der Küste dampft noch heute die „Dartmouth Steam Railway“ über sieben Meilen vorbei an Paignton bis Dartmouth. Einen Zug, den die später leidenschaftliche Archäologin häufig benutzte, um zu ihrem Haus am Ufer des „River Dart“ im Süden der Grafschaft Devon zu gelangen.
Ihr belgischer Roman-Detektiv Hercule Poirot war in „Dead Man’s Folly“ und „Die Morde des Herrn ABC“ ebenfalls auf dieser Route
unterwegs. Ein pittoresker Ort in einer urwaldähnlichen Bucht ist „Ansteys Cove“. Torquay, das größte und eleganteste Seebad an Englands Riviera, lieferte häufig den Hintergrund für Agatha Christies berühmte Detektivromane. Nachdem die Familie der 1976 verstorbenen Schrift-stellerin bislang die Verwendung ihres Namens für Werbezwecke strikt ablehnte,
soll nun mit Zustimmung
der Nachfahren ein „Agatha-Christie-Centre“ eingerichtet werden. Bislang gab es in der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Torre Abbey lediglich einen „Agatha-Christie-Gedenkraum“, in dem neben ihrer Lieblingsschreib-

maschine einige handschriftli-
che Manuskripte ausgestellt werden. Zudem sind Krimi-Wochenenden und ein jährliches Festival geplant.
Auf dem Weg Richtung Westen wechselt in Cornwall die rauhe, windumtoste Küste mit Wiesen in üppigstem Grün ab. An einem der tief ins Landesinnere eingeschnittenen Meeresarme liegt Fowey. In Bodinnick Ferry, auf der anderen Seite des Fowey Creek, schrieb Daphne du Maurier ihr Erstlingswerk „Der Geist der Liebe“. Am Balkon ihres dortigen Heims „Ferryside“ hängt noch immer die Galionsfigur eines verlassenen Schoners, der im Pont Creek 1927 entdeckt wurde und die Grundlage für ihren Roman bildete. Später zog sie nach Menabilly, oberhalb von Poldridmouth Beach gelegen. Das Haus bildete den Hintergrund für ihren von Alfred Hitchcock verfilmten Roman „Rebecca“. Die Flitterwochen nach ihrer Heirat mit dem jungen Major Tommy verbrachte sie am River Helford. In ihrem Roman „Die Bucht der Franzosen“ beschreibt sie die Zeit dort. Ihr wohl berühmtester Roman ist „Gasthaus Jamaica“. Das „Jamaica Inn“, auf halbem Weg zwischen Bodmin und Launceceston im Bodmin-Moor gelegen, war ursprünglich eine Station für Pferdekutschen. Heute ist es eine Touristenattraktion auf dem Weg zum Dartmoor National Park. Auf den Höhen ergeben sich grandiose Ausblicke über das Hochland und die bizarren Granithügel.
Agatha Christie und Daph-ne du Maurier: zwei berühmte Schriftstellerinnen, die aus dem westlichsten Zipfel Englands stammen und nicht nur in Cornwall und Devon verehrt werden. Dagegen fast unbekannt ist in ihrer Heimat Rosamunde Pilcher. In Lelant an der Nordküste Cornwalls geboren, lebt sie heute die meiste Zeit in Schottland, doch spielen ihre vom ZDF verfilmten Herz-Schmerz-Geschichten in ihrer alten Heimat. Zu den malerischen Orten in dieser Gegend zählt St. Ives, das früher von der Sardinenfischerei lebte, heute eher eine Künstlerkolonie mit zahlreichen Galerien ist und die Kulisse bei Pilcher-Verfilmungen bildete. Hans-Peter Sick

Auskünfte: Britisches Fremdenverkehrsamt,
Westendstraße 16–22, 60325 Frankfurt, Telefon: 0 69/9 71 12-0, Fax: 0 69/1 12-4 44. Informationen über Cornwall und Devon gibt es auch bei DACOM, 1 Upcott Avenue, Pottington Industrial Estate, Barnstaple, England, Telefon: 00 44-12 71-33 60 65, Fax: 00 44-12 71-32 84 22, E-Mail:
dacom@responseuk.co.uk, Internet: www.cornwall-devon.com
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