ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2001zu MLP: Geplatzte Träume

VARIA: Schlusspunkt

zu MLP: Geplatzte Träume

Dtsch Arztebl 2001; 98(31-32): [96]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Oh weh, welch ein verhagelter Auftakt! Seit Monaten wurde die MLP-Aktie immer wieder als Kandidat für eine Aufnahme in den großen Aktienindex DAX genannt. In der Erwartung auf einen cleveren Deal kauften viele Anleger den Finanzdienstleister in ihr Portfolio. Die findige Überlegung war ja die, dass spätestens mit der Aufnahme in den Index viele Fonds die Aktie kaufen müssen, weil der Fonds halt eben den DAX exakt nachbildet. Am vorletzten Montag im Juli war es denn auch so weit. Die MLP rückte endlich in den DAX nach.
Doch das erwartete Kursfeuerwerk trat nicht ein, die MLP setzten an ihrem vermeintlichen Festtag vielmehr zu einem saftigen Kurseinbruch an, der sich auch am Dienstag darauf fortsetzte. In nur zwei Tagen verlor die Aktie fast ein Viertel ihres Wertes. Ein Debakel ohnegleichen. Die Anleger waren entsetzt, die Fachleute wunderten sich sehr.
Trotz des Debakels sind sich die meisten Experten nämlich darin einig, dass die Erfolgsstory beim Heidelberger Finanzdienstleister MLP nach wie vor intakt ist und auch in Zukunft bei dem Unternehmen hohe Gewinnsteigerungen zu erwarten sind. Bernhard Termühlen, der Vorstandsvorsitzende von MLP, gibt sich insoweit auch recht zuversichtlich. Seiner Meinung nach werden die Zahlen für das Gesamtjahr so gut sein, dass sowohl die Umsätze als auch die Gewinne dreißig Prozent über Vorjahresniveau liegen dürften.
Es besteht auch gar kein Zweifel daran, dass MLP ei-
ne sehr gut geführte Gesellschaft mit exzellenten Wachstumsaussichten ist. Aber warum dann bloß dieser Verlust? Schließlich findet einfach so ohne jeden Grund meist nichts auf dem glatten Börsenparkett statt.
Der Grund für den Absturz, so sagen manche, sol-
len so genannte Leerverkäufe in der Aktie gewesen sein. Hedgefonds hätten den Wert in Erwartung sinkender Kurse massiv verkauft und damit praktisch auch den Verfall beschleunigt, wenn nicht gar verursacht.
Das kann schon so gewesen sein, der wahre Grund liegt meines Erachtens schlicht und ergreifend in der Tatsache, dass die MLP-Aktie doch sehr teuer ist. Auf der Basis des diesjährigen Gewinns liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei gut 100, während für die anderen DAX-Werte ein KGV von rund 15 errechnet wird. Die-
se Abweichung ist wirklich enorm.
Gut, es gibt mit Simon Foessmeier von Julius Bär auch einen Analysten, der sagt, dass aufgrund der sehr konservativen Bilanzierungsweise das jetzige KGV von 100 eigentlich rechnerisch dem von 50 entspräche.
Mag alles sein, aber dennoch glaube ich, dass die Aktie im Moment doch sehr gut bezahlt ist. An schwachen Tagen ist MLP meines Erachtens deswegen gefährdeter als andere DAX-Titel. Gut Ding will Weile haben, aber eben zum richtigen Kurs.
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