ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2001Datenaustausch: Reform-Optionen

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Datenaustausch: Reform-Optionen

Dtsch Arztebl 2001; 98(33): A-2061 / B-1781 / C-1657

Clade, Harald

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LNSLNS Die Fachebene des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums ist entschlossen, noch bis zur Bundestagswahl (Oktober 2002) die längst angekündigte Gesetzesinitiative zur Verbesserung der Datengrundlage, der Transparenz und des Datenaustauschs im Gesundheitswesen abzu-schließen. Das konfliktreiche Projekt stammt noch aus der Amtszeit von Andrea Fischer und erwies sich bislang als nicht konsensfähig.
Vollends ad acta gelegt wurde der Plan, die Daten zentral zu erfassen und den Austausch über neue Datenvermittlungsstellen aufzubereiten und auszutauschen. Dies führt, so die Einwände der Bundesländer, der Ärzteschaft und anderer Leistungsträger, zu einer Machtverschiebung und einer Vormachtstellung – „Daten bedeuten Macht“ – der gesetzlichen Krankenkassen, umso mehr, als diese dadurch einen zentralen Zugriff auf den Datenfundus erhielten. Das „modifizierte Transparenzmodell“ sieht vor, sämtliche Gesundheitsdaten, die heute bei den Krankenkassen und bei den Kassenärztlichen sowie den Kassenzahnärztlichen Vereinigungen gesammelt, aufbereitet und ausgewertet werden, künftig auf Landesebene kassenübergreifend in einen Pool zu geben. Allerdings müssten dabei sämtliche Daten zur Wahrung des Datenschutzes vor dem Transport in den Pool strikt pseudonomysiert werden. Auch dieses Projekt erscheint über die Selbstverwaltung kaum realisierbar.
Wie der Unterabteilungsleiter „Gesundheitsversorgung“ im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, Georg Baum, vor einem Forum der Ärztekammer Nordrhein betonte, ventiliert man jetzt in Bonn ein Modell, das den Einwänden Rechnung trägt und das zunächst als Modellprojekt in einem Bundesland erprobt werden soll. Um keine Datenfriedhöfe zu produzieren, könne der Datenfluss und der Datenaustausch so organisiert werden, dass ein bestimmtes Leistungsspektrum – etwa die Arzneimittelausgaben oder die ärztlichen Leistungsausgaben – herausgegriffen und die Aktionen auf diese begrenzt werden. Dann fragt es sich allerdings, warum ausgerechnet zwei inkriminierte Sektoren der GKV herausgegriffen werden sollen. Zurzeit wird deshalb auch
das „Datenabgreifmodell“ erörtert. Dieses erfordert eine gesetzliche Grundlage, um den Selbstverwaltungspartnern auf Bundes- oder Landesebene das Recht einzuräumen, bestimmte Daten, die sie für Steuerungs- und „sonstige Zwecke“ benötigen, aus den Beständen herauszunehmen – mit der Vorgabe, dies strikt zu pseudonymisieren.
Schließlich eine weitere Option des Ministeriums: die Organisation des Datenflusses und -austauschs über ein ständiges, evaluiertes Stichprobenverfahren. Dr. rer. pol. Harald Clade
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