ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2001Stammzellforschung: „Ethik des Heilens“

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Stammzellforschung: „Ethik des Heilens“

Dtsch Arztebl 2001; 98(33): A-2061 / B-1781 / C-1657

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS George W. Bush hat es sich nicht leicht gemacht mit seiner Einstellung zu menschlichen Embryonen. In einer Fernseherklärung schilderte er letzte Woche ausführlich seinen Meinungsbildungsprozess. „Ist ein Embryo im frühen Stadium bereits menschliches Leben?“, fragte sich der amerikanische Präsident. Nach vielen Gesprächen mit Naturwissenschaftlern, Ärzten und Theologen kam er zu der Ansicht: „Jeder Embryo ist einzigartig wie eine Schneeflocke und besitzt das einzigartige genetische Potenzial zu einem individuellen menschlichen Wesen.“ Auch auf die Frage, ob man Embryonen nicht für „höhere Zwecke“ benutzen dürfe, wenn sie doch in jedem Fall zerstört würden, habe er verschiedene Antworten erhalten. Bush verweist auf die moralischen Gefahren bei der Forschung an embryonalen Stammzellen. In diesem Zusammenhang sprach er sich entschieden gegen das Klonen von Menschen aus. Ohne moralisches Dilemma könne nur an Plazentazellen und an adulten Stammzellen geforscht werden, was deshalb auch mit Bundesmitteln unterstützt werden soll.
Wegen seiner zahlreichen Bedenken spricht sich Bush gegen eine Forschungsförderung mit gezüchteten Linien aus. Die Forschung an Experimenten mit bestehenden Linien embryonaler Stammzellen soll dagegen gefördert werden, „da die Entscheidung über Leben und Tod hier bereits vollzogen ist“. Nach Auskunft führender Wissenschaftler böten diese 60 Linien sehr gute Aussichten auf einen Durchbruch im Bereich der Entwicklung neuer Heilverfahren. Wie Bundeskanzler Gerhard Schröder ist er also Verfechter einer „Ethik des Helfens und Heilens.“
Gemessen am Beschluss des diesjährigen Ärztetages in Ludwigshafen hätte Bushs (fauler) Kompromiss keinen Bestand. Dort hatten die Delegierten der Herstellung, dem Import und der Verwendung embryonaler Stammzellen (derzeit) eine eindeutige Absage erteilt. Gisela Klinkhammer
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