VARIA: Schlusspunkt

Aktien: Knüppeldick

Dtsch Arztebl 2001; 98(33): [128]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Es war wie Balsam auf den Wunden gepeinigter Telekom-Aktionäre. Fast wundersam, eine Bank bester Reputation hat doch tatsächlich den Mut, die Deutsche Telekom auf einer Kursbasis von etwa 23 Euro zum Kauf zu empfehlen. Genau gesagt, die Deutschbanker erneuerten sogar ihre Empfehlung mit neu justiertem Kursziel. Viele Investoren und Kleinsparer, so ist zu vermuten, griffen den Rat der Deutschen Bank auf und kauften den Titel flugs. An einer ganz anderen Stelle im Hause der Deutschen Bank lauerte indes bereits der Auslöser eines Desasters. Der Börsenhandel bereitete – Empfehlung hin, Kundeninteresse her – den Verkauf von 44 Millionen T-Aktien vor. Über den Auftraggeber schweigt sich das Geldinstitut aus, aber Gerüch- ten zufolge soll es sich um eine Hongkonger Adresse gehandelt haben. Wie auch immer, es kam, wie es bei solchen Mengen kommen musste. Als der Deal ruchbar wurde und das Material über die Börse hereinpurzelte, rauschte der Telekom-Kurs wie ein Fahrstuhl nach unten. Auch am nächsten Tag setzte sich das Debakel fort. Erst bei einem Kurs um 20 Euro kam die Aktie vorläufig zum Stillstand. Empfehlung hie, Verkaufsauftrag da, unglücklicher geht’s nimmer, gelinde gesagt. Leider habe ich für die Betroffenen wenig Trost parat, der Telekom-Kurs wird meines Erachtens in den nächsten Wochen noch stärker nachgeben. Das Ende der Fahnenstange ist, glaube ich, erst bei 13 bis 15 Euro erreicht. Knüppeldick kam es aber auch für die Aktionäre des Bayer-Konzerns. Als der Pharmahersteller bekanntgab, sein Medikament Baycol vom Markt zu nehmen, knallte der Aktienkurs geradezu nach unten. Am Ende dieses denkwürdigen Börsentages verlor Bayer fast ein Fünftel seines Wertes oder in nackten Zahlen 5,7 Milliarden Euro in ein paar Stunden weg. Was für eine dramatische Entwicklung für eine Aktie, die zu den deutschen Blue Chips zählt und immer dann erste Wahl war, wenn ein konservatives Depot aufgebaut wurde. Es steht auch noch unglücklicherweise zu befürchten, dass der Kurs volatil bleiben wird. Die Börse hat keineswegs überreagiert, denn Hunderte Millionen Mark Gewinne fehlen ab jetzt in der Bayer-Ertragsrechung. So hart kann es kommen.
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