ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2001Grundsatzurteil: Mobbing am Arbeitsplatz

STATUS

Grundsatzurteil: Mobbing am Arbeitsplatz

Dtsch Arztebl 2001; 98(33): A-2136 / B-1812 / C-1704

EB

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Erstmals haben Richter verbindlich festgeschrieben, was Mobbing ist. Unter dem Vorsitz seines Vizepräsidenten Dr. jur. Peter Wickler stellte das Landesarbeitsgericht Thüringen unter anderen folgende Leitsätze auf (Az.: 5 Sa 403/00): - Der Arbeitgeber ist verpflichtet, das allgemeine Persönlichkeitsrecht der bei ihm beschäftigten Arbeitnehmer nicht selbst durch Eingriffe in deren Persönlichkeits- oder Freiheitssphäre zu verletzen, einen menschengerechten Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen und die Arbeitnehmerpersönlichkeit zu fördern. - Eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts kann nicht nur im Entzug der Beschäftigung, sondern auch in einer nicht arbeitsvertragsgemäßen Beschäftigung liegen. - Aus dem Umstand, dass bloß für einen vorübergehenden Zeitraum in das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers eingegriffen wird oder dem Arbeitnehmer dadurch keine finanziellen Nachteile entstehen, kann kein diesen Eingriff rechtfertigendes, überwiegend schutzwürdiges Interesse des Arbeitgebers hergeleitet werden. - Bei dem Begriff „Mobbing“ handelt es sich um einen eigenständigen juristischen Tatbestand. Die juristische Bedeutung der durch den Begriff gekennzeichneten Sachverhalte besteht darin, der Rechtsanwendung Verhaltensweisen zugänglich zu machen, die bei isolierter Betrachtung der einzelnen Handlungen nicht oder nicht in einem der Tragweite des Falles angemessenen Umfang erfüllen können. - Ob ein Fall von „Mobbing“ vorliegt, hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Dabei ist eine Abgrenzung zu dem im gesellschaftlichen Umgang im Allgemeinen üblichen oder rechtlich erlaubten und deshalb hinzunehmenden Verhalten erforderlich. Im arbeitsrechtlichen Verständnis erfasst der Begriff „Mobbing“ fortgesetzte, aufeinander aufbauende oder ineinander übergreifende, der Anfeindung, Schikane oder Diskriminierung dienende Verhaltensweisen, die nach Art und Ablauf im Regelfall einer übergeordneten, von der Rechtsordnung nicht gedeckten Zielordnung förderlich sind und jedenfalls in ihrer Gesamtheit das allgemeine Persönlichkeitsrecht oder andere geschützte Rechte, wie die Ehre oder die Gesundheit des Betroffenen verletzen. - Die vielfach dadurch entstehende Beweisnot des Betroffenen, dass dieser allein ohne Zeugen Verhaltensweisen ausgesetzt ist, die in die Kategorie Mobbing einzustufen sind, ist durch eine den Grundsätzen eines fairen und auf Waffengleichheit achtenden Verfahrens auszugleichen. Dabei muss die im Zweifel erforderliche Anhörung einer Partei bei der gerichtlichen Überzeugungsbildung berücksichtigt werden. EB
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.