ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2001Ältere Diabetiker: Wie streng sollten die Therapieziele verfolgt werden?

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Ältere Diabetiker: Wie streng sollten die Therapieziele verfolgt werden?

Dtsch Arztebl 2001; 98(33): A-2127 / B-1804 / C-1579

Vetter, Christine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Zwei Drittel der Diabetiker sind älter als 65 Jahre. Mit Blick auf das Manifestationsalter kann der Diabetes mellitus durchaus als geriatrische Erkrankung betrachtet werden, erklärte Prof. Manfred Dreyer (Hamburg) bei einer Pressekonferenz der Firma Berlin-Chemie in Köln: „Gerade bei älteren Patienten aber greifen die strengen Therapieziele nicht mehr, sie sind sogar unsinnig.“ Denn der ältere Diabetiker habe nur ein geringes Risiko für die Entwicklung von Folgeerkrankungen, die er im Zweifelsfall gar nicht mehr erlebt.
Es könne daher nicht das therapeutische Ziel sein, mit aller Macht einen normgerechten HbA1c-Wert einzustellen und den Patienten möglicherweise der Gefahr von Hypoglykämien auszusetzen. „Die Therapieziele müssen bei geriatrischen Patienten anders formuliert werden“, so Dreyer.
Im Vordergrund sollte nach seiner Ansicht das Bemühen stehen, akute Symptome zu lindern und dem Patienten eine größtmögliche Autonomie und eine größtmögliche Lebensqualität trotz Diabetes zu erhalten. „Wir müssen einen vernünftigen Kompromiss zwischen den Therapiezielen und den Therapierisiken finden“, erklärte Dreyer.
Dennoch muss eine gute Blutzuckereinstellung angestrebt werden, betonte Prof. Wolfgang Beischer (Stuttgart), der in einer Erhebung bei 2 274 geriatrischen Patienten feststellte, dass die Ausprägung der geriatrischen Syndrome – wie eingeschränkte Mobilität, Inkontinenz, kognitive Beeinträchtigung und Depressionen – stark auch mit der Höhe des Blutzuckers korreliert. Inwieweit dieser klinische Eindruck tatsächlich relevant ist, soll in einer prospektiven Studie an 60 Diabetikern im Alter von mindestens 65 Jahren geprüft werden.
Dass andererseits auch bei geriatrischen Patienten noch eine spezielle Diabetes-Schulung sinnvoll ist, zeigen Untersuchungen von Dr. Andrej Zeyfang (Aalen). Sogar Hochbetagte und Menschen mit leichten Hirnleistungsstörungen sind nach Zeyfang durchaus in der Lage, an einer speziell auf diese Zielgruppe ausgerichteten Diabetikerschulung teilzunehmen und davon zu profitieren.
Wichtig aber ist, dass die Schulung auf die besondere Situation älterer Menschen zugeschnitten wird, dass also das eingeschränkte Seh- und Hörvermögen ebenso berücksichtigt wird wie die geringere Informationsverarbeitungs-Geschwindigkeit und der höhere Wiederholungsbedarf. Christine Vetter
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema