POLITIK

Nachgefragt

Dtsch Arztebl 2001; 98(33): A-2068 / B-1752 / C-1648

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LNSLNS DÄ: Was würden sie Eltern oder Ärzten raten, die damit konfrontiert werden, dass ein Lehrer ein Einnahmeverbot für ein Medikament verhängt hat?
Prof. Windorfer: Anstelle der Eltern oder des Arztes würde ich mich mit dem Schulaufsichtsamt in Verbindung setzen und dagegen vorgehen, dass ein Lehrer sich um therapeutische Fragen kümmert, die ihn wirklich nichts angehen. Weder der Rektor noch der Klassenlehrer können einen Schüler wegen der Therapie aus der Klasse ausschließen. Das ist rechtlich nicht möglich.
DÄ: Steckt hinter einem solchen Verbot Unwissenheit, wissen Lehrer überhaupt, dass hinter dem Zappelphilipp ein genetischer Defekt des Hirnstoffwechsels steckt?
Prof. Windorfer: Sie können von einem Lehrer nicht verlangen, dass er solche Zusammenhänge kennt. Da überfordert man den Lehrer. Andererseits wird auch nicht darüber informiert, welche Asthmatherapie oder welche Therapie bei einer psychiatrischen Erkrankung eingesetzt wird. Da hat er ebensowenig zu entscheiden, ob das medikamentös oder psychotherapeutisch geschieht.
DÄ: Sollte der Arzt die Lehrer nicht über die Therapie und die damit verbundenen Notwendigkeiten unterrichtet?
Prof. Windorfer: Ich will jetzt mal die Lehrer vertreten. Sie sollen das ausbügeln, was in den Familien und in der Gesellschaft mit den Jugendlichen nicht klappt. Sie sollen den jungen Epileptiker betreuen, bei sexuell übertragbaren Erkrankungen in der Schule Vorbeugung leisten, mit suchtkranken Schülern arbeiten und fertig werden. Also ich finde schon, dass man von Lehrern hinsichtlich gerade der vielfältigen gesundheitlichen Fragen sehr viel verlangt. Dennoch: Es treten immer wieder Probleme auf, weil Lehrer manchmal unangemessen reagieren. Eingriffe in die Therapiehoheit dürfen nicht sein, da muss die Schulaufsichtsbehörde einschreiten.
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