ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2001Allgemeinärzte: Ja zur Hausarzt-Philosophie

POLITIK

Allgemeinärzte: Ja zur Hausarzt-Philosophie

Dtsch Arztebl 2001; 98(33): A-2074 / B-1794 / C-1669

Korzilius, Heike

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LNSLNS Für den BDA bleibt der Allgemeinmediziner der wahre Hausarzt. Im Streit mit den Internisten ist kein Ende in Sicht.

Die Fronten sind verhärtet. Zu groß ist der Zorn des Berufsverbandes der Allgemeinärzte Deutschlands (BDA) über den Vorstoß des Berufsverbandes Deutscher Internisten, mit dem dieser die gesetzlich vorgesehene Trennung in eine hausärztliche und eine fachärztliche Versorgung infrage stellte. Der BDA-Vorsitzende, Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Kossow, nutzte ein Pressegespräch am 31. Juli in Berlin, um erneut zu betonen: „Es gibt kein Ende der Hausarztphilosophie.“ Zum einen seien Allgemeinärzte fachlich nicht weniger qualifiziert als Spezialisten. „Das können wir empirisch nachweisen“, so Kossow. Zum anderen verlangten die knappen Mittel im Gesundheitswesen, dass die Patienten jeweils auf der Ebene behandelt würden, die am kostengünstigsten sei. Am Hausarzt als „Lotsen“ durch das System führt deshalb nach Ansicht des BDA-Vorsitzenden kein Weg vorbei. Am Ende der Überlegungen steht dabei ein zweistufiges Versorgungsmodell, in dem nur noch Hausärzte und Subspezialisten Platz finden. Das funktioniere bei der Patientenführung reibungsloser als das derzeitige dreistufige Modell mit Hausärzten, allgemeinen Internisten und Subspezialisten.
Nachwuchsmangel
Den Beleg für die Praktikabilität seiner „Hausarztphilosophie“ findet Kossow bei den europäischen Nachbarn. Primärarztmodelle seien in vielen EU-Staaten ein grundlegendes Element der Gesundheitssysteme. Dort lägen die Kosten wesentlich niedriger als in Deutschland, gleichzeitig wiesen sie eine günstigere Lebenserwartung und bessere Morbiditätsparameter auf.
Tatsächlich bedroht derzeit jedoch der Mangel an Nachwuchs das gesetzlich verankerte Ziel, ab 2006 frei werdende Hausarztpraxen nur noch mit Allgemeinärzten zu besetzen – und das trotz kräftiger Finanzspritzen der Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen im Rahmen des Initiativprogramms zur Förderung der Allgemeinmedizin. Kossow gibt die Schuld an der Misere den Krankenhäusern. Diese seien nur daran interessiert, den eigenen internistischen Nachwuchs weiterzubilden. Dieses Problem sähe er gerne im Rahmen der Novelle zur (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung gelöst. „Im stationären Sektor brauchen wir eine gemeinsame Basisweiterbildung.“
„Gate-Keeper-System“
Positiv bewertet der BDA die Disease-Management-Programme, die im Rahmen der Reform des Risiko­struk­tur­aus­gleichs aufgelegt werden sollen. „Alle Vertragsformen sind möglich. In allen Fällen sind Hausärzte dabei“, erklärte Kossow. „Wenn die Programme im Gate-Keeper-System funktionieren, kann das zu einer guten Versorgung führen.“ Disease-Management als ein Schritt auf dem Weg zum „Primärarzt-System“? Die Skepsis der Kassenärztlichen Bundesvereinigung teilen die Hausärzte jedenfalls nicht. Diese hatte dagegen protestiert, dass allein die Krankenkassen für die Qualität der Programme verantwortlich sind. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Programme unter Kassenregie funktionieren, ist sehr hoch“, sagte Kossow. Die Kassen trügen allein die finanzielle Verantwortung und müssten daher auch allein mit den Folgen zurecht kommen.
Ohnehin zeigte sich der BDA im Großen und Ganzen zufrieden mit der Politik von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt. Zu deren Überlegungen, einen Hausarzttarif in der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung einzuführen, sagte Kossow: „Sie hat bisher alle Zusagen uns gegenüber erfüllt.“ Zumindest in diesem Punkt dürfte der Verband zurzeit eine Außenseiterposition vertreten. Heike Korzilius
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