ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2001Rezepte für mehr Qualität?

POLITIK: Kommentar

Rezepte für mehr Qualität?

Dtsch Arztebl 2001; 98(33): A-2075 / B-1795 / C-1670

Skrotzki, Frank-E.

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LNSLNS Die Inhalte des Qualitätsbegriffs im Gesundheitswesen haben sich in den letzten Jahren stark geändert. Von einer lieb gewordenen Selbstzufriedenheit heißt es Abschied zu nehmen. Nicht zuletzt durch die gesetzlichen Vorgaben, die bei jeder Novellierung des Sozialgesetzbuches V seit 1987 verschärft worden sind, hat die Ärzteschaft seit 1993 alles daran gesetzt, das Qualitätsmanagement aktiv zu gestalten.
Es gab auch Rückschläge. So ist es unverständlich, dass die Qualitätssicherung im Gesundheitsreformgesetz 2000 von der Selbstverwaltung auf monströse Bundesausschüsse übertragen wird, die den Krankenkassen und damit der Politik eine Macht zugestehen, die dem Qualitätsgedanken abträglich ist. Es ist mehr als fraglich, ob die erforderliche Neutralität gewahrt bleibt.
Die Ärzteschaft kann das Problem zum Nutzen der Patienten selbst lösen. Dies beweist die IGES-Studie (Institut für Gesundheits- und Sozialforschung GmbH, Berlin), die die Kassenärztliche Vereinigung Berlin in Auftrag gegeben hatte.
Sie bezeugt eindeutig diesen Nutzen, übrigens von den Krankenkassen in Berlin begleitet und unwidersprochen akzeptiert. Es wird eine qualifizierte, nachprüfbare ärztliche Tätigkeit im vertragsärztlichen Sektor nachgewiesen. Diese wird als Auswirkung der Arbeit ärztlicher Qualitätszirkel eindeutig belegt.
Welche brisante, und von Kritikern nicht gern gehörte Auswirkungen die IGES-Studie ferner hat, belegt die Aussage von Gerhard Brenner, Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung, das Hamsterrad führe nicht in dem Maße zu der oftmals in der veröffentlichen Meinung dargestellten Kostensteigerung.
Zur Bezahlung dieser Leistungs- und Qualitätsverbesserung erklärte der ZIExperte: „Wir können den Krankenkassen nachweisen, dass sie 1,6 Milliarden DM zu wenig an die Ärzte gezahlt haben.“
Die Studie belegt, dass eine Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung möglich ist und dass die Rechnung bisher die Vertragsärzteschaft bezahlt hat. Sie beschreibt ferner, dass der Erfolg den Qualitätszirkeln und ihrer ergebnisorientierten Arbeit zuzurechnen ist.
Gerade zum richtigen Zeitpunkt haben sich die Qualitätsnormen weiterentwickelt und wurden den Erfordernissen besonders auch im Dienstleistungssektor angepasst. Seit Anfang 2001 gibt es eine aktualisierte Version der internationalen Normen, nämlich die DIN EN ISO 9001:2000. Ihr Vorteil ist es, dass sie die bisherigen Zertifizierungsnormen zusammenfasst und dem Betriebsablauf angepasst hat, was die Anpassung an kleinere Betriebe erleichtert.
Ihr prozessorientierter Aufbau impliziert die Einbindung aller Mitarbeiter und will sie motivieren, einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu ermöglichen. In der Umsetzung wird die tägliche Arbeit transparent, den Mitarbeitern verständlicher, da sie verantwortlich einbezogen werden; sie bringt eine Abkehr von der Alltagsroutine, die zum Einschleichen von Fehlern verführt.
Ein modernes Qualitätsmanagementsystem macht die Arbeit nachvollziehbar und ermöglicht einen leichteren Vergleich mit Mitbewerbern (Benchmarking). Die Frage „Wo stehe ich im Bezug zu meinen Kollegen?“ gewinnt in der Marketingstrategie ständig an Bedeutung.
Ein Managementsystem, das diese Norm und letztlich eine Zertifizierung durch einen neutralen Zertifizierer zum Ziel hat, ist eine der wichtigen Konsequenzen aus der IGES-Studie.
Die Ärzteschaft muss sich bewusst sein, dass täglich gelieferte medizinische Qualitätsleistung, trotz aller Erfolge, immer wieder verbesserungsfähig ist. Das fordert die Politik, das fordern die Kassen, und das fordert nicht zuletzt und ganz zu Recht der Patient. Die Ärzte brauchen ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Die Ärzteschaft muss nur dokumentieren, dass sie dazu jederzeit in der Lage ist. Dr. med. Frank-E. Skrotzki
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