ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2001Breite Ablehnung aktiver Euthanasie: Nicht der vox populi anbiedern

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Breite Ablehnung aktiver Euthanasie: Nicht der vox populi anbiedern

Dtsch Arztebl 2001; 98(33): A-2094 / B-1775 / C-1585

Frevert, Pierre E.

zu dem Beitrag Diskussion über Sterbehilfe von Gisela Klinkhammer in Heft 18/2001
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LNSLNS Die Diskussion um die Sterbehilfe reißt nicht ab. Und das ist gut so. Laut Umfragen ist ein überwiegender Teil der Bevölkerung in Deutschland für Sterbehilfe. Gut, dass Mediziner und Politiker sich hier einmal nicht der vox populi anbiedern, sondern Grundwerte gegen das launische „Volksempfinden“ aufrechterhalten. Der Arzt Guillotin erfand die Guillotine, um seinen todkranken Patienten ein humaneres Sterben zu ermöglichen. Seine Erfindung steht weniger für medizinischen Fortschritt bei der Linderung von Leiden als vielmehr für dessen Verstärkung als weltweit verbreitetes Hinrichtungsinstrument. Die Gesellschaft für Humanes Sterben möchte durch Beihilfe zu (Selbst-)Mord nicht das Leiden lindern, sondern selbiges aus der Welt schaffen. Hätte Hackethal, anstatt seinen durch Krebs entstellten Patienten das Gift zu besorgen, medienwirksam gefragt, warum die Lifestyle-Gesellschaft Kranke und Alte nicht für lebenswert hält, er hätte einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Ethik geleistet. Übrigens: Der technisch interessierte König Ludwig XVI. schlug Guillotin vor, das Krummbeil des Messers durch eine wirksamere, gerade Klinge zu ersetzen. Dass die Errungenschaft zur Humanisierung des Sterbens des höchsten Regenten des Staates zwei Jahre später, am 21. Januar 1793 zu Paris, an ihm selbst exekutiert wurde, sollte nicht nur die Holländer nachdenklich stimmen. Pierre E. Frevert, Liebigstraße 8 a, 60323 Frankfurt
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