ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2001Hirntod: Briefe haben mir „in der Seele wehgetan“

BRIEFE

Hirntod: Briefe haben mir „in der Seele wehgetan“

Dtsch Arztebl 2001; 98(33): A-2097 / B-1778 / C-1673

Lang, Christoph J. G.

Zur Bekanntmachung der Bundes­ärzte­kammer „Erklärung zum Hirntod“ in Heft 21/2001 und den Leserbriefen dazu „Die Seele lebt“ von Dr. med. Friederike Schlemmer und „Scholastik“ von Prof. Dr. Dr. Dörner in Heft 28–29/2001:
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LNSLNS Die Bekanntmachung der Bundes­ärzte­kammer „Erklärung zum Hirntod“ fand ich richtig und wichtig – unter anderem deshalb, weil einzelne Ärzte durch schlichte Ignoranz die Öffentlichkeit erheblich verunsichern können. Umso erstaunter war ich, den Beitrag einer Anästhesistin zu lesen, der genau das bewirken könnte. Gerade sie aber sollte wissen, dass ein tieferes Koma, eine vollständigere Anästhesie als der Hirntod gar nicht denkbar ist. In diesem Zusammenhang auf eine Vorstellungswelt zu rekurrieren, die man im Mittelalter so darstellte, dass eine aus dem cavum oris emanierte Seele in Betrachtung der vormals von ihr bewohnten sterblichen Hülle über ihr schwebt, ist mehr als seltsam, abgesehen davon, dass gerade dort sie auch das beste Narkotikum nicht erreicht. Und Herrn Prof. Dr. Dr. Dörner, der – bei allem Respekt – sicherlich nicht dazu befähigt ist, den Hirntod festzustellen, muss ich aus eigener jahrzehntelanger Erfahrung entgegenhalten, dass ich praktisch nie jemanden getroffen habe, dem nicht angesichts und im unmittelbaren Erleben dieses Zustandes vermittelbar gewesen wäre, dass es mit diesem Menschen endgültig zu Ende ist, dass er tot ist. Der emeritierte Psychiater unterschlägt auch, dass trotz meist nicht vorhandener Organspendeausweise zwei Drittel bis 78 % der Gesamtbevölkerung einer Organspende nach eingetretenem Hirntod positiv gegenüberstehen und dass diese Bereitschaft noch einmal deutlich steigt (90%), wenn man eine Gruppe sachlich kompetenter, gut informierter Personen – nämlich Ärzte oder Krankenhauspersonal – befragt. Ich versichere hiermit, dass mich, falls ich einmal im Hirntod enden sollte, niemand anästhesieren muss und gestehe, dass mir beide Leserbriefe „in der Seele wehgetan“ haben. Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Christoph J. G. Lang, Neurologische Universitätsklinik mit Poliklinik, Schwabachanlage 6, 91054 Erlangen
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