ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2001Medizinischer Dienst: Forderung - Psychiater als Gutachter für psych-iatrische Pflegeanträge

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Medizinischer Dienst: Forderung - Psychiater als Gutachter für psych-iatrische Pflegeanträge

Dtsch Arztebl 2001; 98(33): A-2098 / B-1818 / C-1693

Straub, Eva

Zum Beitrag „Zur Objektivität verpflichtet“ von Dr. med. Wolfgang Hausotter in Heft 23/2001:
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LNSLNS Mich wundert’s, dass gerade ein Psychiater das Hohelied des MDK singt. Weiß er doch sicher, dass seine jüngeren Patienten so gut wie nie in den Genuss ihrer Pflegeversicherung kommen, und das nicht nur, weil die Pflegeversicherung trotz Nachbesserung noch immer nicht psychisch Kranke mit somatisch Kranken gleichstellt, sondern auch weil der MDK fast immer nicht ausreichend über die praktischen Auswirkungen psychischer Krankheiten informiert ist. Nichts gegen die Objektivität der im MDK tätigen Ärzte, da hat der Briefschreiber sicher Recht. Es ist grundsätzlicher. Antragsteller, die wegen einer psychischen Erkrankung vorsprechen, sollten von einem psychiatrischen Facharzt begutachtet werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass den tatsächlichen Beeinträchtigungen und dem daraus folgenden Hilfebedarf, sei es ambulant oder im Pflegeheim, Rechnung getragen wird. Recht häufig kommt es vor, dass der Patient krankheitsbedingt seine Krankheit und seinen täglichen Hilfebedarf gar nicht wahrnehmen kann. Das zu beurteilen, ist nur ein Facharzt in der Lage. Die Folgen der Benachteiligung tragen die pflegenden Angehörigen, die bis an die Grenze ihrer Kraft, auf Kosten der eigenen Gesundheit pflegen. Wem ist etwas damit gedient, wenn diese zum Nulltarif pflegenden Angehörigen selber krank werden, ihre bisherigen Dienste professionelle Hilfsdienste zu hohen Kosten übernehmen müssen, und sie selbst zudem Krankheitskosten verursachen. Die bedauerliche menschliche Seite daran leuchtet sicher jedem ein. Angehörige, die einen schwer beeinträchtigten chronisch psychisch kranken Menschen pflegen, können sich weder Krankheit leisten noch eine Kur in Anspruch nehmen und schon gar nicht in Urlaub fahren über Jahrzehnte hin. Es sei denn, sie geben während der Zeit ihr psychisch krankes Familienmitglied in stationäre Behandlung – ohne krankheitsbedingten Grund des Betroffenen. Ist dafür das Krankenhaus da? Ist das für das Gesundheitssystem billiger als eine häusliche psychiatrische Pflege? Wir Angehörigen fordern Psychiater als Gutachter bei psychiatrischen Pflegeanträgen. Wir fordern außerdem die Verankerung der häuslichen psychiatrischen Pflege und der psychiatrischen Behandlungspflege in Pflegeheimen im SGB V. Eva Straub, Landesverband Bayern der Angehörigen psychisch Kranker e.V., Bergstraße 29, 85080 Gaimersheim
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