ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2001Hörgeräte: Ratschläge einer Betroffenen

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Hörgeräte: Ratschläge einer Betroffenen

Dtsch Arztebl 2001; 98(33): A-2099 / B-1780 / C-1675

Schultens-Kaltheuner, Ulla

Zu dem Beitrag „Der ,Goldrausch‘ ist vorbei“ von Jens Flintrop in Heft 24/2001:
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LNSLNS Als betroffene Hörgeräteträgerin und niedergelassene Ärztin kann ich der Meinung, dass eine Direktversorgung des Patienten mit Hörgeräten durch den HNO-Arzt keine Qualitätseinbuße bedeutet, nicht zustimmen. Leider ist auch unter den ärztlichen Kollegen das Wissen um die Bedeutung einer Schwerhörigkeit, die Möglichkeiten und Grenzen einer Hörgeräteversorgung sowie das Wissen um das übliche Procedere, nicht sehr verbreitet. Man speichert nicht eine Hörkurve in ein Hörgerät ein und trägt es dann als Patient, und es sitzt, passt und nach „etwas online Feinregulierung“ hört man wieder. Ein guter Hörgeräteakustiker, der unabhängig von einzelnen Hörgerätefirmen arbeitet, bietet verschiedene Hörgeräte an, die prinzipiell infrage kommen. Über Wochen probiert man die verschiedenen Geräte. In einem zähen und zum Teil quälenden Prozess ermittelt man das Hörgerät, bei dem „objektive Daten“ (schon eine möglichst korrekte Hörkurve zu erstellen ist eine Kunst) und subjektives Empfinden des Schwerhörigen am besten zusammen passen. Ein bereits jahrelang bestehender Hörverlust (im Schnitt vergehen zehn Jahre bis zur Versorgung) und seelische Hemmschwellen erfordern einen langen Prozess, in dem man neu lernen muss, mit seinem Hörgerät zu hören. Aber: Auch mit dem besten Hörgerät bleibt man in vielen Situationen weiter schwerhörig. Meiner Erfahrung nach verkürzt eine Versorgung nach dem Schema F, die ja auch mancher Hörgeräteakustiker praktiziert, in erster Linie den Weg des Hörgerätes in die nächste Schublade. Der gesamte Beratungsaufwand ist beim Hörgeräteakustiker im Kauf des Gerätes eingeschlossen und beinhaltet üblicherweise auch die immer wieder erforderliche Nachsorge, kleinere Reparaturen etc. Ein guter HNO-Arzt sollte kritisch, aber auch mutig, rechtzeitig die Indikation zur Hörgeräteversorgung stellen. Er sollte den Patienten aufklären über Nutzen aber auch Grenzen der Hörgeräteversorgung. Am Ende des Hörgeräteanpassungsprozesses sollte er kritisch und kompetent das Ergebnis des Hörgeräteakustikers überprüfen. Hierbei sollte dann auch eine Kontrolle und ein Vergleich der Kosten keinesfalls außen vorstehen. Dr. med. Ulla Schultens-Kaltheuner, Kalkstraße 117, 51377 Leverkusen
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