ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2001ABO-inkompatible Herztransplantation bei Säuglingen

MEDIZIN: Referiert

ABO-inkompatible Herztransplantation bei Säuglingen

Dtsch Arztebl 2001; 98(33): A-2108 / B-1826 / C-1701

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LNSLNS In Kanada sind an zehn Säuglingen mit Kardiomyopathien oder Herzfehlern erfolgreich AB0-imkompatible Herztransplantationen durchgeführt worden. Unter Berücksichtigung der immunologischen Besonderheit des Neugeborenen – der erst gegen Ende des ersten Lebensjahres reifenden Antikörperproduktion gegen Blutgruppenantigene – transplantierte das Team um Lori J. West den Säuglingen im Alter zwischen zwei Stunden und 14 Monaten AB0-inkompatible Spenderherzen. In der Studiengruppe zeigten nur die ältesten zwei Kinder vor der Transplantation minimale Isohämagglutinintiter, trotzdem wurde bei allen Transplantationen während des kardiopulmonalen Bypasses ein Plasmaaustausch durchgeführt. Alle Kinder erhielten nach der Transplantation eine immunsuppressive Standardbehandlung mit Ciclosporin, Azathioprin und Prednison oder Tacrolimus, Mycophenolatmofetil und Prednison. Eventuelle Abstoßungsreaktionen wurden anhand von endomyokardialen Biopsien überprüft. Einem Säugling wurde nach Implantation eines während des Transports geschädigten Spenderorgans ein kompatibles Herz retransplantiert. Zwei Säuglinge starben zwischen dem 24. und 29. postoperativen Tag, beide Fälle scheinen aber nicht mit der AB0-Inkompatibilität in Verbindung zu stehen. Die anderen acht Säuglinge überlebten den Nachbeobachtungszeitraum von bis heute 4,6 Jahren. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe von zehn AB0-kompatibel-transplantierten Kindern kam es seltener zu milden zellulären Abstoßungsreaktionen – eventuell Folge der massiveren Immunsuppression, wie die Autoren vermuten. Ob die verzögerte oder ganz fehlende Antikörperproduktion bei den immunsupprimierten Kindern auch Beweis für eine partielle B-Zell-Toleranz ist, die durch die Exposition von Donor-Antigenen in der immunologischen Reifungsphase erworben wurde, wird noch zu beweisen sein. Durch diesen Vorstoß in der Transplantationsmedizin gelang es den Autoren, die Mortalitätsrate unter den schwerstkranken Säuglingen auf der Warteliste von 58 Prozent auf 7 Prozent zu senken. goa West L J et al.: AB0-incompatible heart transplantation in infants. N Engl J Med 2001; 344: 793–800. Lori J West, Division of Cardiology, Departement of Pediatrics, Hospital for Sick Children, 555 University Ave., Toronto, Kanada.

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