ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2001Apotheker: Offensive im Netz

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Apotheker: Offensive im Netz

Dtsch Arztebl 2001; 98(34-35): A-2137 / B-1813 / C-1705

Korzilius, Heike

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LNSLNS Der Streit um den Internet-Handel mit Arzneimitteln, das „Schreckgespenst“ der deutschen Apotheker, beschäftigt inzwischen den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Das Landgericht Frankfurt am Main hat ein Verfahren des Deutschen Apothekerverbandes gegen die niederländische Online-Apotheke DocMorris ausgesetzt. Der EuGH soll jetzt prüfen, ob das deutsche Versandverbot mit europäischem Recht vereinbar ist. Die Prozessgegner sind sich jeweils sicher, dass die Luxemburger Richter in ihrem Sinne entscheiden werden. Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände führt Arzneimittelsicherheit und Verbraucherschutz ins Feld. DocMorris bemüht die europäischen Grundfreiheiten. Mit einer Entscheidung rechnet man in zwei Jahren.
Eine Atempause dürfte es nicht geben. Während die Niederländer – in geändertem Verfahren – weiter Arzneimittel nach Deutschland liefern und die ABDA die Verhängung von Ordnungsgeldern beantragt, denken Politiker und sogar Verbraucherverbände laut über die Vorteile eines qualitätsgesicherten Medikamentenversandes nach. Die Kassen fordern ohnehin seit längerem, das deutsche Versandverbot aufzuheben. Zu verlockend sind die Einsparpotenziale von bis zu 20 Prozent der Arzneimittelkosten. Es scheint, als kämpften die Apotheker auf verlorenem Posten.
Am vergangenen Dienstag haben die als Fortschrittsfeinde Gescholtenen mit Informationen zu den Themen „Arzneimittel“ und „Gesundheit“ ihre eigene Internet-Offensive gestartet. Mit www.aponet.de wurde das offizielle Gesundheitsportal der deutschen Apotheker aus der Taufe gehoben – „Unsere Antwort auf die Frage nach E-Commerce und Internet-Handel“, so ABDA-Präsident Hans-Günter Friese. Der Clou: Über aponet können Patienten Arzneimittel online bei einer Apotheke vorbestellen, um sie dort später abzuholen. „Das Portal wird keinesfalls zur Organisation eines Versandhandels genutzt“, betonte Friese. aponet sei ein Online-Service für Kunden, die das Internet nutzen wollen, ohne auf Arzneimittelsicherheit zu verzichten. Inwieweit Patienten das Angebot bei der hiesigen Apothekendichte wahrnehmen, bleibt abzuwarten. Jedenfalls rechnet die ABDA damit, dass sich bis Jahresende die Hälfte der rund 21 500 Apotheken am Apothekennetz beteiligen wird. Heike Korzilius
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