ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2001Deutsch-Baltische Ärztegesellschaft: Hilfe zur Selbsthilfe

POLITIK

Deutsch-Baltische Ärztegesellschaft: Hilfe zur Selbsthilfe

Dtsch Arztebl 2001; 98(34-35): A-2152 / B-1864 / C-1740

Ebel, Klaus

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LNSLNS Humanitäre Hilfe und wissenschaftlicher Austausch stehen im Vordergrund der nunmehr zehnjährigen Tätigkeit der Ärztegesellschaft.


Am 17. August beging die Deutsch-Baltische Ärztegesellschaft im Kaiserin-Friedrich-Haus in Berlin-Mitte ihr zehnjähriges Bestehen. Dort war die Gesellschaft am 2. November 1991 unter der Schirmherrschaft der Bundes­ärzte­kammer, mit Unterstützung der Ärztekammern Niedersachsen und Berlin sowie der Kaiserin-Friedrich-Stiftung für das ärztliche Fortbildungswesen gegründet worden. Gründungsmitglieder waren die damaligen stellvertretenden Ge­sund­heits­mi­nis­ter Estlands, Lettlands und Litauens sowie die Vorsitzenden der erst kurz zuvor neu entstandenen und unabhängigen Ärztevereinigungen der baltischen Staaten, außerdem Ärztinnen und Ärzte aus Deutschland, die die baltischen Staaten bei der Umstrukturierung ihrer Gesundheitssysteme unterstützen, humanitäre Hilfe leisten und den wissenschaftlichen Austausch fördern wollten. Der Gesellschaft gehören 125 Mitglieder aus dem deutschsprachigen Raum, 158 aus Estland, 99 aus Lettland und 296 Mitglieder aus Litauen an.
Anfangs galt es vor allem, den Mangel an Medikamenten, medizinischen Hilfsmitteln und Geräten in den baltischen Staaten auszugleichen. Der Wunsch der dortigen Ärzte, Kontakte zu deutschsprachigen Fachkollegen und Kliniken zu knüpfen und Zugang zu moderner Fachliteratur zu finden, führte dazu, dass ein Hospitationsprogramm gestartet wurde. Es bildet seither einen Schwerpunkt der Arbeit der Deutsch-Baltischen Ärztegesellschaft. Nahezu 500 Ärztinnen und Ärzte haben bereits in Deutschland hospitiert. Für die meisten war dies der erste Einblick in den aktuellen Stand der Medizinentwicklung Westeuropas.
Viele Hospitanten haben ihr Wissen und ihre neuen Erfahrungen im eigenen Land umgesetzt und inzwischen Leitungsfunktionen in Krankenhäusern, in der ärztlichen Selbstverwaltung oder in der Gesundheitspolitik übernommen.
Die Deutsch-Baltische Ärztegesellschaft hat auch eine Reihe von Fortbildungsveranstaltungen und Symposien organisiert, unter anderem acht Baltisch-Deutsche Symposien für Pathologie. Alternierend in Estland, Lettland, Litauen und Deutschland stattfindend, haben sie sich zu Kongressen entwickelt, bei denen bis zu 170 Ärztinnen und Ärzte ihre wissenschaftlichen Erfahrungen austauschen. Die jährlichen Mitgliederversammlungen werden ebenfalls von einem wissenschaftlichen Programm begleitet.
Obwohl die Zahl der Kliniken und Abteilungen wächst, deren Ausstattung und fachliche Qualifikation westlichem Standard entsprechen, befindet sich auch in den baltischen Staaten das Gesundheitswesen in der Krise. Zusätzlich belastend wirken die Defizite aus sozialistischen Zeiten. Das Kran­ken­ver­siche­rungssystem leidet an chronischem Geldmangel. Teure Medikamente müssen die Patienten häufig selbst bezahlen. Die Krankenhäuser versuchen mit einem äußerst geringen Budget, ihre Funktionsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Notwendige Investitionen können oft nur mithilfe ausländischer Spenden getätigt werden. Zahlreiche kleinere Krankenhäuser, vor allem außerhalb der Hauptstädte, sind von Schließung oder drastischem Bettenabbau bedroht, größere Kliniken sollen fusionieren. Häufige politische Wechsel führen zur Stagnation, und notwendige Entscheidungen werden nicht getroffen.
Noch immer stehen Ärzte und Pflegepersonal am Ende der Einkommensskala, obwohl die Lebenshaltungskosten beträchtlich gestiegen sind. Viele Ärzte geben deshalb ihren Beruf auf.
Die Deutsch-Baltische Ärztegesellschaft sieht es unverändert als ihren Auftrag an, humanitäre Hilfe zu leisten. Künftig sollen jedoch die Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den baltischen und den deutschsprachigen Ländern im Vordergrund stehen. Partnerschaftsverträge zwischen Universitäten, Kliniken und Abteilungen, Praxen und Instituten können dazu beitragen. Fachgesellschaften, die sich mit Vorträgen und Tagungen in den baltischen Staaten engagieren wollen, vermittelt die Deutsch-Baltische Ärztegesellschaft Kontakte.
Die Ärztekammer Berlin, die Hans-Neuffer-Stiftung der Bundes­ärzte­kammer, der Landesverband Leitender Krankenhausärzte Berlin, die Deutsche Sektion der Internationalen Akademie für Pathologie und viele private Spender haben durch ihre finanzielle Unterstützung die Arbeit der Gesellschaft erst ermöglicht. Größere Projekte haben die Rut und Klaus Bahlsen-Stiftung, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und die Robert Bosch-Stiftung unterstützt.
Die Gesellschaft wird für ihre Arbeit auch künftig auf Spenden angewiesen sein. Spendenkonto: Deutsche Apotheker- und Ärztebank, BLZ: 100 906 03, Konto: 000 4140788. Kontakt: Dr.
med. Klaus Ebel, Mommsenstraße 63, 10639 Berlin, E-Mail: deutsch-baltische. aerzte@berlin.de, Telefon/Fax: 0 30/ 8 83 22 80.
Dr. med. Klaus Ebel

Dr. med. Klaus Ebele (vordere Reihe, Erster von links), Vorsitzender der Deutsch-Baltischen Ärztegesellschaft, im Kreise des
Vorstandes vor dem Grunewaldturm in Berlin
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