ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2001Gustav Mahler: Ergänzung

BRIEFE

Gustav Mahler: Ergänzung

Dtsch Arztebl 2001; 98(34-35): A-2171 / B-1878 / C-1753

Kowalczyk, Achim

Zu dem Feuilleton-Beitrag „Die Liebe zur Kunst“ von Dr. med. Timm Ludwig in Heft 25/2001:
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LNSLNS Herr Ludwig deutet zaghaft einen „psychosomatischen“ Tod Mahlers an; vielleicht starb er an „gebrochenem Herzen“ nach dem Tod seiner geliebten Tochter Maria und folgte ihr nach. Diese Hypothese halte ich für sehr wahrscheinlich. In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Gustav Mahler eine wenig glückliche Beziehung zu seiner Frau Alma hatte. Die große Unzufriedenheit in der
Partnerschaft bereitete ihm viel Stress, und zeitweise litt er auch an erektiler Dysfunktion. Aufgrund dieser Probleme machte er mehrere Anläufe, sich von Sigmund Freud behandeln zu lassen, und verabredete Termine, die er immer wieder kurzfristig absagte. Erst als sich seine Lage immer mehr zuspitzte, suchte er Freud in Leiden auf. Dieser befand sich gerade in der Sommerfrische im holländischen Noordwijk a. Z. und bot Mahler an, ihn dort in der Nähe zu treffen. Das therapeutische Gespräch zwischen Freud und Mahler fand dann schließlich am 26. August 1910 während eines ausgedehnten nachmittäglichen Spaziergangs statt. Freud analysierte erfolgreich Mahlers sexuelle Impotenz gegenüber seiner Frau Alma. Diese hatte seit einiger Zeit eine Außenbeziehung mit einem jugendlichen Liebhaber (Walter Gropius, den sie fünf Jahre nach dem Tode Gustav Mahlers heiratete). Im Wesentlichen ging es in diesem Gespräch um Mahlers „Mutterprojektion“ auf seine Frau, die Freud ans Licht brachte (Mahler versuchte auf sehr extreme Weise, Alma zu einer Kopie seiner Mutter zu stilisieren). Dass diese Kurzbehandlung (eine der frühen und wenigen) erfolgreich war, ist 1. einem Brief Freuds an Theodor Reik, 2. Briefen Mahlers an Alma und 3. den Memoiren Alma Mahlers zu entnehmen. Dem Paar war nach dem Treffen mit Freud noch eine kurze glückliche Zeit bis Mahlers Tod im Mai des folgenden Jahres beschieden.
Sigmund Freud könnte der Schutzpatron aller psychotherapeutischen Kurzzeittherapeuten sein, der lange vor Moshe Talmon „single sessions“ wirksam durchführte.
Achim Kowalczyk, Zaunkönigstraße 42, 26135 Oldenburg
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