ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2001Steuerflucht: Schotten dicht

VARIA: Schlusspunkt

Steuerflucht: Schotten dicht

Dtsch Arztebl 2001; 98(34-35): [88]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Der Euro kommt, so unweigerlich, wie man sich nur denken kann. Und genauso geraten langsam, aber sicher einige Leute mit unversteuerten Bargeldbeständen ziemlich ins Schwitzen.
Die Deadline ist der erste Tag im Januar nächsten Jahres. Dann spätestens müssen alle Bargeldbestände in den „regulären“ Finanzkreislauf eingespeist sein, sollen sie die Gnade des Umtauschs von Mark in Euro erfahren.
Das ist vor diesem Termin hierzulande durchaus ein Problem, denn die Banken sind jetzt schon verpflichtet (und sie tun es auch), bei Einzahlungen über 30 000 Mark die persönlichen Daten des Kunden an die Strafverfolgungsbehörden weiter zu reichen.
Egal, sagen ganz Schlaue, es gibt ja die Möglichkeit 15 mal an verschiedene Banktresen zu marschieren, und Beträge knapp unter der relevanten Hürde einzuzahlen (wo eigentlich?). Mühsam, mühsam und bei der Gefahr, irgendwo gesehen zu werden und aufzufallen, auch nicht besonders stressarm.
Die es steuerlich faustdicker hinter den Ohren haben, reisen in das benachbarte Ausland (Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein im Besonderen), um dort die Mäuse auf Konten einzuzahlen. Die im Prinzip richtige Überlegung ist die, dass dort in der Nacht zum 1. 1. 2002 die Mark ohne Probleme auf Euro umgestellt wird und kein Mensch dumme Fragen stellt.
So weit, so schlau. Aber eben nur in der Theorie. Der Tatbestand der Steuerhinterziehung ist nämlich in aller Regel bereits erfüllt, egal, welches der soeben beschriebenen Verfahren gewählt wird. Die Gefahr allerdings, erwischt zu werden, ist bei der Auslandsvariante enorm gestiegen.
Bundesfinanzminister Hans Eichel höchstselbst hat zum Sturm auf die Steuersünder geblasen. Deutschlands Zöllner wurden angewiesen, in den kommenden Wochen und Monaten „sehr streng und intensiv“ nach Bargeld zu suchen.
Dass der oberste Steuereintreiber keine Scherze macht oder anders, dass die Warnung durchaus sehr ernst zu nehmen ist, zeigt die Tatsache, dass die Kontrollen an den deutschen Grenzen bereits erheblich gestiegen sind und auch noch weiter ausgedehnt werden sollen.
„Mobile Kontrollgruppen“ der Hauptzollämter durchkämmen bereits jetzt schon Flugzeuge und Züge. Autokontrollen im Zollgrenzbezirk sind durchaus schon gang und gäbe. Rotes Licht für Schwarzgeld also. Die Alternative? Eine Selbstanzeige. Sie ist immerhin strafbefreiend, und die Nebenwirkungen sind hart, aber erträglich.
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