ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2001Gebärdenerkennung: Mobilfunkgeräte für Gehörlose in Aussicht

VARIA: Technik

Gebärdenerkennung: Mobilfunkgeräte für Gehörlose in Aussicht

Dtsch Arztebl 2001; 98(34-35): A-2201 / B-1742 / C-1573

Franzen, Jo

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LNSLNS Mobilfunknetze der dritten Generation UMTS sollen Gehörlosen bald neue Möglichkeiten der Kommunika-tion eröffnen. WISDOM, die Abkürzung steht für Wireless Information Services to Deaf People on the Move, heißt das von der Europäischen Union geförderte Projekt, das Gehörlosen einen drahtlosen Informationsservice für unterwegs bieten soll.
Dazu benötigt der Gehörlose ein normales Mobiltelefon mit dem neuen UMTS-Standard und zusätzlich das WISDOM-Terminal.
Die Verbindung vom Handy zum Terminal erfolgt schnurlos über die Bluetooth-Technologie. Das Terminal ist mit einer kleinen Videokamera und Bildschirm ausgestattet. So können die Gebärden des Tauben aufgenommen werden, und er kann gleichzeitig über den Bildschirm des Gerätes auch Gebärden empfangen.
Funktionsweise der Kommunikation
Damit der Gehörlose beispielsweise in der Praxis mit dem Arzt kommunizieren kann, ruft er eine Dolmetscherzentrale an. Über das Terminal spricht er mit dem Dolmetscher in Gebärdensprache. Dieser übersetzt das für den Arzt in Lautsprache, der wiederum über den Dolmetscher dem Patienten antworten kann. Zusätzlich lassen sich bei dem Handysystem Wisdom auch Informationen abfragen.
Diese Informationen sind auf einem Videoserver gespeichert, der ebenfalls mit Gebärdensprache gesteuert wird und über den sich beispielsweise aktuelle Wetterinformationen, Börsenkurse oder Sportnachrichten abrufen lassen. Damit das alles auch reibungslos funktioniert, müssen bisherige Systeme perfektioniert werden. „Automatische Gebärdenspracherkennung ist ein recht neues Forschungsgebiet“, so Jörg Zieren vom Lehrstuhl für Technische Informatik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. „Wer weiß, wie lange es gedauert hat, bis die Systeme zur normalen Spracherkennung halbwegs zuverlässig wurden, kann sich vorstellen, welche Schwierigkeiten da noch auf uns warten.“
Wie bei herkömmlichen Spracherkennungssystemen muss der Rechner trainiert werden, um bestimmte Gebärden sicher erkennen zu können. Das Kamerabild wird dabei in Einzelteile (so genannte Merkmalsvektoren) zerlegt, vermessen und in einer Datenbank zusammengefasst. Der Rechner kann die Merkmalsvektoren wiedererkennen, die er zuvor abgespeichert hat. Was im Labor bereits gut funktioniert, erfordert in der Praxis noch Entwicklungsarbeit, auch in Hinblick auf die Hard-
ware.
Sechs Millionen Euro von der Europäischen Union
Neben wissenschaftlichen Einrichtungen, wie der Aachener Hochschule, sind daher auch Mobilfunkanbieter (Vodafone) und -hersteller (Ericsson) an dem Projekt beteiligt.
„Bis zum Jahr 2003 sollten wir allerdings so weit sein, ein praktikables Produkt auf den Markt bringen zu können“, gibt sich Jörg Zieren optimistisch. Die Europäische Union fördert diese Forschungsarbeiten mit sechs Millionen Euro. Jo Franzen
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