ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2001Simultane operative Behandlung von A.-carotis-interna-Stenosen und koronarer Herzerkrankung

MEDIZIN: Referiert

Simultane operative Behandlung von A.-carotis-interna-Stenosen und koronarer Herzerkrankung

Dtsch Arztebl 2001; 98(34-35): A-2197 / B-1900 / C-1773

omr

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LNSLNS Neuere Publikationen bestätigen den hohen Stellenwert der Karotisstenose als Risikofaktor für die Entstehung eines postoperativen Schlaganfalls nach Herzoperationen. Die Indikationen für ein kombiniertes Vorgehen bei Stenosen der A. carotis und der Koronargefäße werden jedoch in der Literatur kontrovers diskutiert.
Anhand des Patientenkollektivs der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wird in der vorliegenden Studie eine Einschätzung des Risikos vorgenommen.
Die Daten von 104 Patienten (davon 80 Männer und 24 Frauen, mittleres Alter 67 6 7 Jahre) mit 106 Simultanoperationen bei zerebrovaskulärer Verschlusskrankheit und koronarer Herzerkrankung in den Jahren 1992 bis 1999 wurden retrospektiv ausgewertet. Dabei handelte es sich bei 38 Patienten (35,8 Prozent) um symptomatische und bei 68 Patienten (66,2 Prozent) um asymptomatische Karotisstenosen. Die Verteilung der Risikofaktoren zeigte mit Ausnahme der kardialen Faktoren keinen signifikanten Unterschied gegenüber dem Gesamtpatientenkollektiv der Karotisoperationen (n=2 143).
Die Rekonstruktion der Arteria carotis erfolgte in der Regel durch eine Thrombendarteriektomie mit Venenpatchplastik.
Bei sieben Patienten (6,6 Prozent) entwickelte sich ein postoperatives neurologisches Defizit mit einer Letalitätsrate von einem Prozent, bei drei Patienten war der Insult in der ipsilateralen Hemisphäre lokalisiert. Bei weiteren drei Patienten trat der Infarkt in der kontralateralen Hemisphäre auf, wobei in zwei Fällen keine signifikante Karotisstenose vorgeschaltet war. Außerdem kam es bei einem Patienten zu multiplen beidseitigen Embolien.
Im Patientenkollektiv mit alleiniger Karotisoperation lag die Rate an postoperativen neurologischen Defiziten bei 5,6 Prozent. Diese Patienten befanden sich in verschiedenen Stadien (Stadium 1: n=637 [30 Prozent], Stadium 2: n=837 [39 Prozent], Stadium 3: n=53 [2 Prozent] und Stadium 4: n=616 [29 Prozent]).
Die kardiale Komplikationsrate betrug 6,6 Prozent. Insgesamt verstarben vier Patienten (3,8 Prozent) in den ersten 30 Tagen postoperativ aufgrund nicht neurologischer Komplikationen und einer an den Folgen eines kontralateralen Schlaganfalls. In dem zum Vergleich herangezogenen Gesamtpatientenkollektiv mit Karotisrekonstruktionen lag die 30-Tages-Letalität bei 1,3 Prozent (0,6 Prozent durch neurologische Komplikationen).
Die kombinierte Operation durch erfahrene Teams aus Gefäß- und Kardiochirurgen bei Erkrankungen der A. carotis und der Koronararterien stellt somit bei ausgewählten Patienten eine gut begründete Therapie dar.
Die Komplikationsrate ist zwar höher als bei Patienten mit Karotisthrombendarteriektomie ohne operationspflichtige koronare Herzerkrankung und ebenso ist die operative Sterblichkeit höher als nach alleiniger koronarer Revaskularisation, aber die Summe der Komplikationen aus beiden Behandlungsverfahren dürfte beim simultanen Vorgehen auch unter Berücksichtigung von Literaturangaben geringer sein. Darüber hinaus wird die Notwendigkeit einer zweiten Operation vermieden und die Prognose hinsichtlich des Spontanverlaufs verbessert. omr

Grabitz K, Ommer A, Schmitt H-H, Gams E, Sandmann W: Simultane operative Behandlung von A. carotis interna – Stenosen und koronarer Herzerkrankung – sinnvolle oder zu risikoreiche Kombination? Dtsch Med Wschr 2001; 126 (17): 485–490.

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