ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2001Sachverständigenrat: Mängel im System

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Sachverständigenrat: Mängel im System

Dtsch Arztebl 2001; 98(36): A-2209 / B-1909 / C-1781

Korzilius, Heike

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LNSLNS Das einst hochgelobte deutsche Gesundheitswesen leidet unter erheblichen Strukturmängeln, die sich durch langjährige Fehlsteuerung gefestigt haben. Diesen Schluss zog Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt aus dem dritten Teil des Gutachtens zur medizinischen Unter-, Über- und Fehlversorgung, den der Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen vorgelegt hat. Zehn Krankheitsgruppen hatten die Wissenschaftler untersucht, auf die immerhin zwei Drittel der Krankheitskosten entfallen. Bei allen mussten sie erhebliche Mängel bei der integrierten Versorgung sowie bei der Prävention und Rehabilitation feststellen. Das System sei zu sehr auf akute, episodenhafte Krankheitsformen ausgerichtet, es sei somatisch fixiert und arbeite zu wenig evidenzbasiert, lautete das vertraut klingende Urteil. Wo aber falsch versorgt wird, verbergen sich Wirtschaftlichkeitsreserven. Um diese auszuschöpfen, braucht es nach Ansicht der Sachverständigen „eine vielschrittige und langfristige Umsteuerung des Systems“.
Das trifft sich gut, denn es bestätigt den Kurs der Ministerin. Sie vertritt seit langem den Standpunkt, dass sich die Finanzprobleme der Krankenkassen nicht mit einer „Sofortreform“ lösen lassen. Sie nutzte das Gutachten, um zu zeigen, dass sie mit ihrer Politik der kleinen Schritte richtig liegt: Die Ablösung des Arzneimittelbudgets und die Einführung von Disease-Management-Programmen seien erste Schritte auf dem Weg zur integrierten Versorgung; die Reform des Risiko­struk­tur­aus­gleichs führe langfristig zur besseren Versorgung chronisch Kranker. Zur Steuerung der Arzneimittelausgaben, die aktuelle Steigerungsraten von mehr als 12 Prozent verzeichnen, setzt sie auf die Neuregelung der Festbeträge und die Vereinbarungen zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen.
Der Haken an der Sache ist, dass sich all diese Maßnahmen, wie die Ministerin freimütig einräumt, nicht mehr in diesem Jahr auswirken. Dabei droht den Kassen ein Defizit von rund fünf Milliarden DM. Mehr Geld fürs System gibt es auf keinen Fall, weil „das nichts zur Lösung der Strukturprobleme beiträgt“. Bliebe der politische Tabubruch: Beitragssatzerhöhungen. Dazu Schmidt: „Das kann ich kurzfristig nicht verhindern, so gerne ich es möchte.“ Heike Korzilius
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