ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2001Gebührenordnung für Ärzte: Pauschalierer unterwegs

SEITE EINS

Gebührenordnung für Ärzte: Pauschalierer unterwegs

Dtsch Arztebl 2001; 98(36): A-2209 / B-1909 / C-1781

Clade, Harald

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Der Verband der privaten Kran­ken­ver­siche­rung e.V. (PKV), Köln, will offenbar die Einführung von diagnosebasierten Fallpauschalen im Krankenhaus nutzen, um die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) zu anderen Ufern zu treiben. Obwohl das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium im Juni erklärt hatte, dass in dieser Legislaturperiode kein weiterer Schritt zur Reform der GOÄ und der Gebührenordnung für Zahnärzte unternommen werden soll, hat der PKV-Verband der Bundes­ärzte­kammer mitgeteilt, das „ungebremste Mengenwachstum“ im Bereich der Privatliquidation müsse mit allen Mitteln gedrosselt werden. Künftig müssten mehr Pauschalen und in Komplexen zusammengefasste Einzelleistungsvergütungen in das Privatliquidationssystem eingebaut werden, erklärte PKV-Verbandsgeschäftsführer Christoph Uleer gegenüber der Bundes­ärzte­kammer. Die Bundes­ärzte­kammer lehnt solche Planspiele ab. Die Umstellung auf DRG-Vergütungen im Krankenhaus ab dem Jahr 2003 und eine Realisierung der noch weitergehenden Forderungen der Privatassekuranz könnten dazu führen, dass die GOÄ als eine eigenständige Gebührenordnung aufgegeben und auf ein Anhängsel zur GKV-Vergütungsregelung im Krankenhaus und in der ambulanten Versorgung reduziert wird.
Eine solche Neustrukturierung steht im Widerspruch zur amtlichen Gebührentaxe als einem Verzeichnis leistungsgerecht bewerteter ärztlicher Leistungen. Pauschalierte Vergütungskomplexe wirken leistungs- und innovationshemmend. Zudem wird der bisher von der PKV stets hervorgekehrte Status des Privatpatienten abgewertet, vor allem im Krankenhaus. Pauschalen führen zu einer Gleichschaltung der Versorgung und tragen dazu bei, dass der Privatpatient nicht mehr entsprechend seinen persönlichen medizinischen und pflegerischen Bedürfnissen versorgt wird. Einseitige Reformüberlegungen und Forderungen der PKV, ohne die wachsenden Leistungen zu berücksichtigen, verkennen, dass die Prämie nur ein Entscheidungskriterium bei der Wahl der privaten Versicherung ist. Weitaus wichtiger sind der Umfang, die Leistungsfähigkeit, der Leistungskatalog und die individuelle Gestaltungsmöglichkeit des Versicherungsschutzes. Dr. rer. pol. Harald Clade
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema