ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2001Transplantation: Erstmals Kehlkopf erfolgreich verpflanzt

AKTUELL: Akut

Transplantation: Erstmals Kehlkopf erfolgreich verpflanzt

Dtsch Arztebl 2001; 98(36): A-2213 / B-1885 / C-1769

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Mehr als zehn Jahre experimentelle Forschung mit zahlreichen Probeoperationen an Ratten waren nötig, bevor ein Team der Cleveland Clinic (Ohio) sich an die Operation eines Patienten wagte, der vor 20 Jahren einen Unfall erlitten hatte und seither – trotz mehrerer Rekonstruktionsversuche am Larynx – aphon blieb. Der Patient hatte geduldig warten müssen, bis ein komplett HLA-identischer Spender gefunden war. Schließlich kam es zur Operation, bei der nicht nur der Larynx, sondern auch ein Teil der Trachea (5 Ringknorpel), die gesamte Schilddrüse samt den vier Nebenschilddrüsen sowie drei Viertel des Pharynx transplantiert wurden. Um die Perfusion sicherzustellen, mussten die Art. thyroidea superior beiderseits mit dem Transplantat anastomisiert werden. Der venöse Abfluss sollte über ein Interponat der V. jugularis interna (des Spenders) erfolgen, die jedoch bei der Explantation auf einer Seite zerstört wurde, sodass auf der anderen Seite die V. thyroidea media direkt mit der V. jugularis interna (des Empfängers) verbunden werden musste.

Auch die Re-Innervation des Transplantates verlief nicht nach Plan. Zwar konnten beide Nn. laryngeus superior des Empfängers mit dem Transplantat verbunden werden. Beim N. laryngeus recurrens, den „Stimmnerven“, gelang dies nur auf einer Seite. Dennoch war die Operation erfolgreich. Der Patient brachte bereits am dritten postoperativen Tag ein erstes „Hello“ hervor und kann heute, mehr als 40 Monate nach dem Eingriff, erneut einer sprechenden beruflichen Tätigkeit nachgehen (N Engl J Med 2001; 344: 1676–1679). Seine Stimme wird als annähernd normal beschrieben, auch wenn der Tonumfang eingeschränkt ist, allerdings weniger, als aufgrund der einseitigen Stimmbandlähmung zu erwarten gewesen wäre.

Der Patient ist äußerst zufrieden über seinen jetzigen Zustand, obwohl er vermutlich zeitlebens immunsuppressiv behandelt werden muss. Er nimmt derzeit Prednison, Mycophenolatmofetil und Tacrolimus (seit einer Abstoßungskrise statt Ciclosporin). Blutdruck und Nierenfunktion sollen noch normal sein. Dennoch dürften sich die langfristigen Folgen der medikamentösen Therapie erst noch zeigen. An der Cleveland Clinic will man die Operation zunächst nur Traumapatienten anbieten. Infrage käme sie auch für Patienten mit gutartigen Tumoren, etwa großen Chondromen. Bei Krebspatienten will man restriktiv sein. Voraussetzung sei, dass der Patient mindestens fünf Jahre tumorfrei ist. Keine Aussagen werden dazu gemacht, ob auf jeden Fall eine komplette HLA-Identität verlangt wird. Rüdiger Meyer
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