ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2001Disease Management: Modellprojekt Diabetes-Behandlung

POLITIK

Disease Management: Modellprojekt Diabetes-Behandlung

Dtsch Arztebl 2001; 98(36): A-2221 / B-1893 / C-1777

Gerst, Thomas

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LNSLNS Die KV Nordrhein stellte gemeinsam mit den Krankenkassen Ergebnisse einer strukturierten und qualitätsgesicherten Versorgung vor. Es wurden deutliche Besserungen erzielt.


Der Zeitpunkt war gut gewählt: Mitten hinein in die Debatte um den Risiko­struk­tur­aus­gleich, kurz vor der Vorstellung des dritten Teils des Sachverständigengutachtens zur gesundheitlichen Versorgung mit seiner vorauszusehenden Schelte an den ambulanten Versorgungsstrukturen präsentierten die nordrheinischen Vertragsärzte und Krankenkassen gemeinsam erste Ergebnisse ihrer Diabetes-Vereinbarungen. Die Daten belegen, dass bei der Mehrzahl der Diabetes-Patienten, die im Rahmen der nordrheinischen Diabetes-Vereinbarungen ambulant behandelt werden, durch die strukturierte und qualitätsgesicherte Versorgung deutliche Besserungen erzielt wurden.
Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, Dr. med. Leonhard Hansen, betonte die gesundheitspolitische Bedeutung dieser positiven Ergebnisse. Die in Nordrhein erfolgreich umgesetzten Diabetes-Vereinbarungen – nunmehr auch Modell für entsprechende Vereinbarungen in anderen Regionen – seien die geeignete Antwort auf die von einigen Gesundheitspolitikern immer wieder vorgetragene Kritik an einer angeblich schlechten ambulanten Versorgung von Diabetikern. „Der Aktionismus gewisser Politiker ist absolut unangebracht“, betonte Hansen. Denn nun liege der Nachweis vor, dass gelungene therapeutische Konzepte für die Diabetiker-Behandlung bereits bestehen. Deutlich werde auch, dass nur bei einer frühzeitigen Beteiligung der Ärzteschaft an Disease- Management-Programmen eine gute medizinische Behandlung chronisch Kranker garantiert sei. Wichtig sei es, medizinischen Sachverstand den ökonomischen Interessen der Krankenkassen entgegenzustellen.
Die Vereinbarung zwischen der KV Nordrhein und dem Landesverband der Betriebskrankenkassen Nordrhein-Westfalen mit dem Ziel, die Qualität der ambulanten Versorgung von Diabetikern zu verbessern und Folgeerkrankungen zu verringern, wurde Anfang 1998 getroffen. Im April 1999 schlossen alle gesetzlichen Krankenkassen in Nordrhein gleich lautende Verträge mit der KV Nordrhein ab. Inzwischen nehmen flächendeckend rund 1 400 diabetologisch geschulte Hausärzte und 100 Schwerpunktpraxen an dem Projekt teil. Diese liefern die anonymisierten Behandlungsdaten von fast 120 000 Patienten zur Auswertung an das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI), mithin findet in Nordrhein zurzeit die weltweit größte Längsschnitt-Studie zur ambulanten Diabetes-Versorgung statt.
Die jüngste Auswertung ergab, dass bei fast der Hälfte der Patienten mit hohen Zuckerhämoglobin-Werten eine signifikante Reduktion erreicht werden konnte. Darüber hinaus sank der diastolische Blutdruck von Diabetikern mit Werten über 90 Millimeter Quecksilber (mm Hg) um durchschnittlich 14 mm Hg; der systolische Blutdruck wurde bei Hochdruckpatienten (> 160 mm Hg) im Schnitt sogar um 20 mm Hg verringert. Die noch kurze Laufzeit der strukturierten Diabetiker-Versorgung erlaubt noch keine Aussagen darüber, wie viele Folgeerkrankungen vermieden werden konnten; doch die vorliegenden Daten lassen nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden des BKK-Landesverbands, Jörg Hoffmann, langfristig auf erhebliche gesundheitsökonomische Auswirkungen schließen. Für ihn enthalten die Diabetes-Vereinbarungen in Nordrhein bereits nahezu alle Komponenten, die der Gesetzgeber für künftige Disease-Management-Programme vorsieht. Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass hochwertige Versorgungsangebote nicht auf der Strecke bleiben, dass keine niedrigschwellige Versorgung aus kurzfristigen ökonomischen Motiven erfolgt.
KBV-Vize Hansen machte deutlich, dass eine Beteiligung der Kassenärzte bei der Definition von Disease-Management-Programmen im RSA-Gesetzentwurf zurzeit zwar nicht vorgesehen sei, dass die KBV sich aber gleichwohl mit eigenen Vorschlägen zur strukturierten und qualitätsgesicherten Versorgung verschiedener Krankheitsbilder in die gesundheitspolitische Diskussion einbringen werde. Thomas Gerst


Die Betreuung von Diabetikern durch zertifizierte Hausärzte und in Schwerpunktpraxen führte zu deutlich verbesserten Werten bei der Mehrzahl der Patienten.
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