ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2001Den plötzlichen Säuglingstod verhindern

POLITIK: Medizinreport

Den plötzlichen Säuglingstod verhindern

Dtsch Arztebl 2001; 98(36): A-2238 / B-1933 / C-1799

Lehmann, Frank

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Der plötzliche Säuglingstod (sudden infant death, SID) ist nach wie vor die häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr jenseits der Neugeborenenzeit; seine Ursache ist weiterhin unklar. Mit der weitgehenden Vermeidung der Bauchlage ist es in Deutschland zu einem Rückgang der SID-Inzidenz um circa 50 Prozent gekommen – das heißt, von 1,5 auf 0,7/1 000. In Nachbarländern wie Holland oder Norwegen konnte jedoch ein Rückgang um circa 90 Prozent erreicht werden. Der Grund liegt vermutlich darin, dass dort noch intensiver als in Deutschland und zudem auch vor weiteren vermeidbaren Risikofaktoren gewarnt wurde, die hier bislang wenig Beachtung fanden.
Derzeit gibt es Bestrebungen, mit Unterstützung des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums eine nationale Aufklärungskampagne zu starten. Gleichzeitig ist auch die Ärzteschaft gefordert: Praktisch jedes Neugeborene wird ärztlich untersucht, dort besteht Gelegenheit, die Eltern auf vermeidbare Risikofaktoren hinzuweisen. Dabei sollte die Betonung nicht auf die Warnung vor dem (angstbesetzten) SID gelegt werden, sondern unter dem Motto aufgeklärt werden: „Was ist gut für mein Kind?“ Folgende Empfehlungen an Eltern sind durch epidemiologische Studien gesichert:
- Legen Sie Ihr Kind zum Schlafen auf den Rücken.
- Kühl ist besser: 16 bis 18 °C Raumtemperatur und eine dünne Decke oder ein Schlafsack sind genug. Fühlen Sie gegebenenfalls zwischen den Schulterblättern, ob sich die Haut warm, aber nicht verschwitzt anfühlt: dann ist es Ihrem Kind weder zu warm noch zu kalt.
- Achten Sie darauf, dass es nicht mit dem Kopf unter die Bettdecke rutschen kann. Kissen und anderes gehören nicht ins Säuglingsbett.
- Lassen Sie Ihr Kind bei sich im Schlafzimmer, aber im eigenen Bett schlafen.
- Achten Sie auf eine rauchfreie Umgebung für Ihr Kind.
- Stillen Sie, solange es Ihnen möglich ist.
- Nimmt Ihr Kind einen Schnuller, so sollte es diesen zu jedem Schlaf bekommen.
Nur durch konsequente Information aller Eltern junger Säuglinge über vermeidbare Risikofaktoren lässt sich der plötzliche Säuglingstod wirksam bekämpfen. Dr. med. Frank Lehmann

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema