ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2001Wissenschaftstheorie - Doppelblind bei alternativen Heilverfahren: Paralogische Schelmerei

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Wissenschaftstheorie - Doppelblind bei alternativen Heilverfahren: Paralogische Schelmerei

Dtsch Arztebl 2001; 98(36): A-2251 / B-1919 / C-1802

Sachse, Frank

von Georg Ivanovas in Heft 13/2001 Zu dem Beitrag erhielt die Redaktion eine Reihe kritischer Zuschriften, die im Folgenden in einer Auswahl mit einem Schlusswort des Autors wiedergegeben werden. Dieser geht darin auch ein auf den Beitrag „Wirksamkeitsprüfung: ,Doppelblindstudien‘ und komplexe Therapien“ von Schuck et al. in Heft 30/2001.
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Trotz der geschliffenen Diktion und des unverkennbaren Anspruchs auf sachliche Darstellung wird der Beitrag als paralogische Schelmerei zum 1. April entlarvt. Die sich dem Psychologen seit Jahren stellende Frage, ob die Homöopathen denn wirklich selber daran glauben, wäre sonst nach langem Zweifel unvermittelt mit Ja beantwortet gewesen.
Die Spartenüberschrift „Wissenschaftstheorie“ ist gemessen am nachfolgenden Text so kühn, dass sie eigentlich die augenzwinkernde Argumentation von vornherein verrät.
Ivanovas versucht, die in seinem Heimatland maßgeblich angeregte mehr als 2000-jährige Geistesgeschichte des Abendlands und die Grundfesten der Logik um das Stilmittel der autistischen Hermeneutik zu bereichern.
Durch Schütteln bildet sich im Kopf die Vorstellung: Die erkenntnistheoretische Methode der Hypothesenprüfung inklusive – und darauf legt der Autor besonderen Wert – der Prüfung der statistischen Nullhypothese im Doppelblindversuch ist für den Bereich der medizinischen Wissenschaft ungeeignet.
Dies ist ein treffliches Instrumentarium zur Umgehung des seit mehr als 2 000 Jahren bestehenden Grunddilemmas der Heilkunde, das unterhaltsam und katalogartig erstmals (?) von
Charles Mackay (Zeichen und Wunder. Aus den Annalen des Wahns. London, 1841) besprochen wurde: Wo beginnt die Schummelei zulasten des Patienten?
Gleichzeitig gibt Ivanovas aber trotz der satirischen Absicht die finale Lösung des Homöopathie-Problems bekannt: Es bestehen wenigstens zwei inkompatible Denkansätze in der Medizin (siehe auch: Stiftung Warentest: Die andere Medizin). Es bräuchten nur noch unkomplementär die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen zu werden, um den Beitragszahlern die Wahl zu lassen, ob sie ihre Schizophrenie oder ihren Scharlach homöopathisch oder schulmedizinisch behandeln lassen möchten.
Eine lesenswerte Geschichte, die überdies in fetten Lettern noch das wirksame Agens einer brillanten Erkenntnistour – hoffentlich nicht als unfreiwillige Paraphasie – verrät: das Paradoxin. Zu Risiken und Nebenwirkungen . . .
Dr. Frank Sachse,
Anton-Günther-Straße 2 a, 93073 Neutraubling
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema