ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2001Sexualstraftäter: Erfahrung - Alle Therapie war und blieb vergebens

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Sexualstraftäter: Erfahrung - Alle Therapie war und blieb vergebens

Dtsch Arztebl 2001; 98(36): A-2260 / B-1950 / C-1816

Löffler, Herbert

Zu dem „Seite eins“-Beitrag „Weghören – für immer“ von Sabine Rieser in Heft 28–29/2001:
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LNSLNS Meines Erachtens sollte man doch den Vorschlag von Bundeskanzler Schröder bezüglich schlimmster Triebtäter nicht sofort ablehnen. Immerhin sind derartige Sexualtriebtäter, die abschließend noch das Leben des missbrauchten Opfers auslöschen, jederzeit bereit, ein solches Verbrechen zu wiederholen. Ich verweise auf das Lehrbuch von Lembke/Rennert (Neurologie – Psychiatrie) in dem es heißt: „Psychotherapeutische Maßnahmen sind häufig wenig aussichtsreich, vor allem wenn der Trieb auf das abnorme Ziel schon lange fixiert ist. Viele Triebgestörte (wenn auch nicht alle) fühlen sich in ihrer perversen Neigung, die ja dominierende Lustquelle für sie darstellt, bestätigt.
Sie behalten sie oft bei trotz Strafverfahren, Haft, Ächtung durch die Gesellschaft . . .“ Ähnlich äußert sich Prof. Dr. Huber in seinem Lehrbuch „Psychiatrie“. Sicher ist das Kapitel über sexuelle Deviationen, Variationen, Transsexualität usw. sehr vielschichtig, auch sind derartige Morde relativ selten – obwohl das Schicksal einer ganzen Reihe von verschwundenen weiblichen Personen bisher unaufgeklärt blieb.
Meines Erachtens sind diese Täter, die ihre Persönlichkeitsstruktur aus sadistisch-aggressiv geprägter Sexualität mit minimaler Empathiefähigkeit durch entsprechende Verbrechen dokumentiert haben, lebende Zeitbomben! Die wider alle Erfahrungen fortgesetzt behauptete generelle Therapiefähigkeit drängt die Frage auf, ob nicht etwa Angst vor wegbrechender Klientel Motiv zur so genannten Behandlungsfähigkeit darstellt.
Ich habe in meiner langjährigen Tätigkeit als Neurologe und Psychiater die Erfahrung gewonnen, dass alle Therapieanstrengungen bei ausnahmslos allen vergeblich waren und blieben. Ich stimme der Bemerkung der Autorin ohne jede Einschränkung zu, dass der „normale“ sexuelle Missbrauch von Kindern durch vertraute Erwachsene sehr viel häufiger ist als diese bestialische Art von Verbrechen.
Dr. med. Herbert Löffler, Solinger Straße 7, 08280 Aue
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