ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2001Methylphenidat bei hyperkinetischen Störungen: Zweite Indikation berücksichtigen

MEDIZIN: Diskussion

Methylphenidat bei hyperkinetischen Störungen: Zweite Indikation berücksichtigen

Dtsch Arztebl 2001; 98(36): A-2284 / B-1972 / C-1837

Poser, Wolfgang

zu dem Beitrag Verordnungen in den 90er-Jahren von Dr. rer. soc. Ingrid Schubert Prof. Dr. med. Gerd Lehmkuhl Dipl.-Psych. Axel Spengler Prof. Dr. sc. hum. Manfred Döpfner Priv.-Doz. Dr. med. Liselotte von Ferber in Heft 9/2001
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LNSLNS Schubert und Mitarbeiter unternehmen in ihrer Arbeit „Methylphenidat bei hyperkinetischen Störungen“ den verdienstvollen Versuch, mittels Verbrauchsanalysen festzustellen, ob die Bevölkerung mit Methylphenidat über- oder unterversorgt ist. Dabei machen sie in meinen Augen einen gravierenden Fehler: Sie gehen davon aus, dass die Gesamtmenge des Methylphenidats zur Behandlung von hyperkinetischen Störungen eingesetzt wird. Methylphenidat hat jedoch noch eine zweite Indikation, nämlich die Narkolepsie. Möglicherweise wird ein erheblicher Teil der Methylphenidat-Verordnungen für die Behandlung der Narkolepsie eingesetzt, da diese ganz überwiegend bei Erwachsenen auftritt, die höhere Dosen erhalten als hyperkinetische Kinder. Zwar steht seit einiger Zeit zur Behandlung der Narkolepsie mit ganz ähnlicher Indikation die Substanz Modafinil zur Verfügung, die kein Psychostimulanz vom Amphetamin-Typ ist. Ob diese Substanz jedoch das Methylphenidat in der Behandlung der Narkolepsie zurzeit schon so weit verdrängt hat, dass die Narkolepsie-Indikation bei der Methylphenidat-Menge quantitativ vernachlässigt werden kann, ist nach meiner Ansicht nicht ausreichend untersucht.

Prof. Dr. med. Wolfgang Poser
Psychiatrische Klinik
Georg-August-Universität
Von-Siebold-Straße 5
37075 Göttingen

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