ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2001Methylphenidat bei hyperkinetischen Störungen: Auditive Tests verfälscht

MEDIZIN: Diskussion

Methylphenidat bei hyperkinetischen Störungen: Auditive Tests verfälscht

Dtsch Arztebl 2001; 98(36): A-2284 / B-1972 / C-1837

Angerstein, Wolfgang

zu dem Beitrag Verordnungen in den 90er-Jahren von Dr. rer. soc. Ingrid Schubert Prof. Dr. med. Gerd Lehmkuhl Dipl.-Psych. Axel Spengler Prof. Dr. sc. hum. Manfred Döpfner Priv.-Doz. Dr. med. Liselotte von Ferber in Heft 9/2001
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LNSLNS Aus phoniatrisch-pädaudiologischer Sicht hat mich der Artikel sehr interessiert, da wir in unserem Fachgebiet häufig mit hyperkinetischen Kindern zu tun haben, die mit Methylphenidat behandelt werden. Diese Kinder werden uns vorgestellt zur Abklärung einer möglicherweise vorhandenen auditiven Wahrnehmungsstörung beziehungsweise zentralen Fehlhörigkeit. Dabei ergibt sich für uns das Problem, dass durch Methylphenidat eventuell die audiometrischen und sprachgebundenen Testergebnisse verfälscht werden könnten. Sicherlich wird bei diesen Kindern nicht das originäre Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Kommunikationsniveau untersucht, sondern ein durch psychotrope Drogen verändertes Verhalten. Daher stellt sich für uns die Frage, ob Tests der auditiven Wahrnehmungsfähigkeit nach Einnahme von Methylphenidat überhaupt sinnvoll sind. Wir müssen uns fragen, was wir bei derart mit Psychopharmaka behandelten Kindern eigentlich untersuchen und messen. Da die Ergebnisse der Testbatterien durch das Psychopharmakon sicherlich beeinflusst werden und somit verfälscht sind, macht es meines Erachtens keinen Sinn, bei Kindern während der Methylphenidat-Therapie die auditive Wahrnehmung zu untersuchen. Um derart verfälschte Untersuchungsbedingungen und Messergebnisse zu vermeiden, sollte überlegt werden, ob Methylphenidat zwei bis drei Wochen vor den Untersuchungen der auditiven Wahrnehmung abgesetzt werden kann, um originäre und unverfälschte Testergebnisse zu gewährleisten. Dass dies nicht in jedem Einzelfall möglich sein wird, ist mir durchaus bewusst. Allerdings sollte die Problematik vor jeder Untersuchung der auditiven Wahrnehmungsfähigkeit bedacht und berücksichtigt werden.

Prof. Dr. med. Wolfgang Angerstein
Leiter der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie
Universitätsklinikum der
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Moorenstraße 5
40225 Düsseldorf
E-Mail: angerstein@med.uni-duesseldorf.de

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