ArchivDeutsches Ärzteblatt36/20013-D-Referenzimplantate für den Gesichts- und Hirnschädel: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

3-D-Referenzimplantate für den Gesichts- und Hirnschädel: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2001; 98(36): A-2288 / B-1976 / C-1841

Beleites, Eggert

zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. habil. Eggert Beleites Dr. med. Gerlind Schneider Priv.-Doz. Dr. Ing. habil. Wolfgang Fried Prof. Dr. Dr. med. habil. Dieter Schumann Prof. Dr. med. habil. Werner Linß in Heft 5/2001
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LNSLNS Herr Machtens nimmt Anstoß an unserem Beitrag. Wir denken, dass hier weitgehend ein Missverständnis zugrunde liegt. Herr Machtens wirft uns einerseits zu geringen Neuheitswert vor, bezweifelt andererseits unsere Ergebnisse im Nasennebenhöhlen- und Schädelbasisbereich.
Seit 1982 erfolgt an der HNO-Klinik der Friedrich-Schiller-Universität der Knochenersatz im Bereich des Schädels mit präoperativ angefertigten Implantaten aus der Glaskeramik Bioverit. Nach nunmehr fast 20-jähriger Erfahrung mit Bioverit in den Bereichen Schädelkalotte, Schädelbasis, Nasengerüst, Nasennebenhöhlen und Gaumen können wir dem Material eine hervorragende Biokompatibilität und Korrosionsstabilität bescheinigen. Bei vielen Versorgungen handelte es sich um Nachoperationen nach zum Teil mehrfachen fehlgeschlagenen anderweitigen Rekonstruktionsversuchen. Die von Herrn Machtens angesprochenen chronisch-entzündlichen Zustände konnten wir bei Einsatz von Bioverit nicht beobachten.
Mit der Herstellung von 3-D-Referenzimplantaten erschloss sich für uns die Möglichkeit, nunmehr auch für geometrisch komplizierte größere Knochenpartien (Schädelbasis, Nasennebenhöhlen) exakt passende Ersatzstücke in kurzer Zeit vorzufertigen.
Speziell unser zusätzlich entwickeltes Referenzverfahren mit der Schaffung eines umfangreichen Schädeldatenpools sehen wir als eine Erweiterung und Ergänzung anderer Methoden an und hielten es für mitteilenswert.
Bei größeren Defekten, besonders im Mittellinienbereich, zum Beispiel bei Fehlen der gesamten knöchernen Nase oder bei gravierender Tumordeformation sind aktuelle CT-Daten nicht verwendbar. Soll nun trotzdem ein Ersatzstück konstruiert werden, benötigt man für die komplizierten dreidimensionalen Strukturen Referenzdaten, die der jeweiligen Schädelform entsprechen. Diese haben wir durch Einscannen vieler verschiedener Schädel (Anatomie) erarbeitet. Der Jenaer Schädeldatenpool gestattet uns unter Zugrundelegung des individuellen Patienten-CT nach einer Ähnlichkeitsanalyse den passenden Schädelsatz zu suchen beziehungsweise zu fertigen.
Bei einseitigen Defekten erfolgt eine Spiegelung aller notwendigen CT-Daten der Gegenseite zur Implantatkonstruktion. Das ist auch anderenorts üblich.
Durch Automatisierung der Konstruktionsschritte konnte das Zeitintervall von der Erstellung des Patienten-CT bis zur Operation auf weniger als 48 Stunden reduziert werden.
Die von Herrn Machtens angesprochene Fixierung der Implantate sollte nicht Gegenstand unserer Mitteilung sein. Seit 1982 befestigen wir die Implantate je nach OP-Bedingungen mit Draht, Nahtmaterial, Titanplatten oder durch direkte Verschraubung der Keramik mit dem Knochen.
So genannte Feder-Nut-Verbindungen oder Pfalze gehören bei uns durchaus zu seit langem eingesetzten Methoden.
Literatur
Beleites E, Rechenbach G: Implantologie in der Kopf-Hals-Chirurgie – gegenwärtiger Stand. HNO-Praxis heute 1992; 12: 169–199.

Prof. Dr. med. habil. Eggert Beleites
HNO-Klinik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lessingstraße 2, 07740 Jena

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