ArchivDeutsches Ärzteblatt39/1996Alternative Techniken: Elsbett setzt auf Pflanzenöle

VARIA: Auto und Verkehr

Alternative Techniken: Elsbett setzt auf Pflanzenöle

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LNSLNS Wenn es um umweltpolitische Forderungen beim Automobilbau geht, ist immer wieder vom sogenannten "Drei-Liter-Auto" die Rede. Manche Hersteller kommen diesem Ziel inzwischen schon recht nahe, doch basieren die Entwicklungen nach wie vor auf der bekannten Antriebs- und Verbrennungstechnik. Tüftler mit ökologischem Anspruch sind unterdessen dabei, Alternativen zu realisieren. Der folgende Beitrag stellt einige der vielen Ansätze vor.


Es ist richtig, daß zunehmend umweltschonende und preiswerte Fahrzeuge gebaut werden, deren Verbrauchswerte deutlich gegenüber früheren Modellen reduziert sind. Eine "technische Revolution" sucht man dagegen auf dem Massenmarkt vergebens. Doch es gibt schon Autos beziehungsweise Techniken, die beweisen, daß "es jenseits der eingefahrenen Wege geht". Ein gutes Beispiel hierfür ist der Elsbett-Motor. Seit 1965 arbeitet der Ingenieur Ludwig Elsbett mit seinen Technikern daran, einen Motor mit pflanzlichen Energien anzutreiben. Der Basisgedanke: Pflanzliche Rohstoffe sind nicht nur einfacher zu haben als Mineralöle, sie können durchaus auch ungeahnte Energien freisetzen. Elsbett gelang es nun im Laufe der Zeit, einen Drei-Zylinder-Motor mit 1,4 Litern Hubraum zu entwickeln. Mit Pflanzenöl ohne Zusätze oder chemische Besonderheiten bringt es der Motor auf eine Leistung von immerhin 90 PS. Der Clou liegt in der Motorkonstruktion. Elsbett entwarf neue Brennkammern für seine Motoren. Darin drückt nicht ein flacher Kolben in eine runde Brennkammer, sondern eine flache Brennkammer den Brennstoff in eine kugelförmige Aushöhlung des Kolbens. Dort wird das Gasgemisch aus "Luft und Pflanzenöl" von zwei gegenüberliegenden Einspritzdüsen gleichzeitig eingegeben und dann gezündet. Bei der sogenannten "duothermischen Verbrennung" ist der Brennraum im Kolben kugelförmig ausgebildet. Die sich im Kreis bewegende Verbrennungsluft teilt sich durch Temperatur- und Dichteunterschied in zwei unterschiedlich heiße Luftzonen auf: in eine heiße "Luftkugel" in der Mitte des Brennraums und in einen kälteren "Luftmantel". Nur die heiße Luft nimmt an der Verbrennung teil, der Luftmantel wiederum isoliert akustisch, thermisch und mechanisch. Weil beim Motorbau die Materialien entsprechend abgestimmt werden, braucht die Elsbett-Maschine keine Wasserkühlung, Wasserpumpen, Kühlrippen und dergleichen.
Die Leistung der Pflanzenöl-Motoren sind mit denen "normaler" Diesel oder Benziner durchaus vergleichbar: 90 PS bei 4500 U/min, Leistungsdichte pro Liter Hubraum 45,3 kW. Nicht vergleichbar sind dagegen die ökologischen Daten: CO2- Emission null, Stickoxid-Ausstoß wesentlich geringer als beim herkömmlichen Verbrennungsmotor. Auch bei der "Lebenszeit" der Maschinen will der Elsbett-Motor im Vorteil sein. Testfahrzeuge (Mercedes 190) mit Pflanzenöl-Motoren liefen bisher bis zu einer halben Million Kilometer. Fahrer von Autos mit Elsbett-Motoren berichten über Verbrauchswerte von rund vier Liter auf 100 Kilometer - unter anderem mit einem VW Passat. Aus dem Experimentalstadium sind die Maschinen aus Roth in Mittelfranken längst heraus. Sie verrichten ihren Dienst unter anderem in Blockheizkraftwerken wie etwa in Hilpolstein. Dort wird ein 8-Zylinder-Elsbett-Motor, mit Pflanzenöl gespeist, zur Stromerzeugung eingesetzt. Auch in der Marine finden Elsbett-Maschinen als preiswerte und umweltfreundlichere Alternative zum Diesel Verwendung. Eine breite Anwendung in der deutschen Automobil-industrie bedarf indes einer politischen Entscheidung der Konzernlenker - und die steht bislang aus. Wie bei einem zweiten Nischenprojekt, den MOTOS-Maschinen. Die Entwickler Heinrich Stallkamp und Günther Osterburg orientierten sich dabei an der hochentwickelten Turbinentechnik und dem bereits im Alltag eingesetzten Wankelmotor. Bisher fanden Turbinen nur in Flugzeugen und im Bootsbau Verwendung; auch deshalb, weil die teuren und schubmächtigen Aggregate erst ab einer gewissen Größe wirtschaftlich werden. Also suchte man eine Lösung, um einerseits die Vorzüge einer Rotationsmaschine (Turbine) zu nutzen, andererseits die Nachteile des Wankelmotors (Dichtung, Verbrauch und Emissionen) zu vermeiden. Das Ergebnis ist ein Motor mit zwei Drehkolben-Rotoren mit ineinandergreifenden Arbeitsräumen, die von einer externen Brennkammer mit Heißgasen versorgt werden. Als Brennstoff soll jeder flüssige oder staubförmige Energielieferant eingesetzt werden können.
Die bisherigen Resultate der Forschung ermutigen die MOTOS-Konstrukteure: ihr Aggregat zeichnet sich durch ein günstiges Abgasverhalten, geringe Lärmentwicklung, Vielstoffähigkeit und regenerative Abgaswärmenutzung aus. Gleichzeitig sollen die Herstellungskosten geringer sein als bei einem klassischen Kolbenmotor, weil weniger Teile benötigt werden. Zahlreiche Patente für verschiedene Einsatzmöglichkeiten liegen vor; das Land Nordrhein-Westfalen ließ das Projekt bereits gutachterlich prüfen: mit positivem Ergebnis. Zur Zeit arbeitet das Unternehmen MOTOS mit Hochdruck an der Vollendung eines Produktions- und Entwicklungszentrums in Thüringen. Der bisherige Erfolg und der weitere wirtschaftliche Aufbau sollen 1998 zur Gründung einer Aktiengesellschaft führen. GH

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