ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 4/2001Lernstudio Herz-Kreislauf-Gefäße: Patientensimulator

Supplement: Praxis Computer

Lernstudio Herz-Kreislauf-Gefäße: Patientensimulator

Dtsch Arztebl 2001; 98(36): [15]

ukg; EB

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LNSLNS Ein „Hightech-Patient“ im Universitätsklinikum Göttingen simuliert Herzkrankheiten und bietet neuartige Ausbildungsmöglichkeiten für Medizinstudenten.
Eine lebensgroße Hightech-Puppe wird seit kurzer Zeit im Universitätsklinikum Göttingen als Patientensimulator zur Ausbildung von Medizinstudierenden und zur Weiterbildung von Ärzten eingesetzt. „Harvey Cardialis“ ist zentraler Bestandteil des neuen Lernzentrums Herz-Kreislauf-Gefäße (HKG), das im Universitätsklinikum Göttingen eröffnet wurde (www.gwdg.de/~lernztr).
Der Simulator wirkt wie ein liegender Patient. Er ist auf einem etwa 1,80 Meter langen Krankenbett montiert, das die Mechanik, Hydraulik und Elektronik beinhaltet. Mithilfe von Zahlenkodes können 27 Krankheitsbilder simuliert werden. Bis zu 60 Studierende gleichzeitig können über kabellose Kopfhörer unterschiedliche Herztöne und Herzgeräusche hören und an der Puppe Pulse und Herzbewegungen ertasten. Sie sollen anhand der Herztöne und der Austastung der verschiedenen Pulse lernen, Herzkrankheiten zu erkennen. Bei der Darstellung der Diagnose helfen zusätzliche Daten, wie EKG-Befund, Röntgenaufnahmen und Laborwerte des Kunst-Patienten, die von einer mitgelieferten CD auf einem beliebigen Computer aufgerufen werden können. Mehr als 40 pathologische und physiologische Befunde können ausgewählt werden.
Im Lernstudio haben die Studierenden Gelegenheit, interaktiv und selbstbestimmt zu lernen. Sie werden immer wieder aufgefordert, bereits erworbenes Wissen aktiv anzuwenden, sich selbst in den Lernprozess einzubringen und eigene Lernfortschritte zu prüfen. Zu Vorlesungen und isoliertem Lernen zu Hause bietet das Lernstudio somit einen kreativen Gegenpol: Der Studierende entscheidet, was und mit welchen Medien er lernen will. „Harvey“ soll keinen Patienten ersetzen. Doch mit dem Simulator ist es viel leichter möglich, vielen Studenten Krankheitsbilder zugänglich zu machen, ohne diese jedem Einzelnen an einem schwerkranken Patienten zeigen zu müssen. Mit dem künstlichen Patienten können auch Notfallsituationen simuliert werden, wie zum Beispiel die Einlieferung eines Patienten mit Herzproblemen. Die Studenten lernen beispielsweise, den Blutdruck zu messen, den Arterien-Puls zu prüfen, den Venen-Puls abzuschätzen und die Herztöne abzuhören, um die Diagnose zu stellen. Im akuten Notfall mit einem realen Patienten werden solche Untersuchungen nur von ausgebildeten Ärzten vorgenommen. Kardiopulmonale Reanimationsversuche an der Puppe sind jedoch nicht möglich, da die hochempfindliche Technik dabei beschädigt werden könnte.
Entwickelt wurde der rund 200 000 DM teure Patientensimulator von Professor Dr. Michael S. Gordon, Direktor des Forschungszentrums für Medizinische Ausbildung an der University of Miami – School of Medicine. ukg/EB


„Harvey“ im Einsatz
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