ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 4/2001Gesundheitsrisiko durch Bildschirmarbeit: Entspannt am Praxiscomputer

Supplement: Praxis Computer

Gesundheitsrisiko durch Bildschirmarbeit: Entspannt am Praxiscomputer

Dtsch Arztebl 2001; 98(36): [16]

Funk, Michael

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LNSLNS Einen großen Teil der Arbeitszeit verbringen Arzt und Helferinnen am Computer. Seit langem ist bekannt, dass die Kombination aus unbequemem Computerarbeitsplatz und Stress krank machen kann. Ergonomie ist deshalb wichtig im Praxisalltag, zumal auch der Gesetzgeber bei der gesundheitsbewussten Gestaltung des Arbeitsplatzes mitredet.
Nicht allein das Sitzen und der damit verbundene Bewegungsmangel gefährden die Gesundheit, sondern eine Vielzahl ergonomischer Faktoren am Arbeitsplatz, die zusammengenommen ein großes Gewicht haben. Zu den kritischen Aspekten gehören der Bildschirm, die Tastatur, alle weiteren Eingabegeräte, der Schreibtisch, die Größe der Arbeitsfläche, der Stuhl, die Geräuschentwicklung im Arbeitsraum, die Versorgung mit Frischluft, der Blendungsgrad und das Strahlungsaufkommen am Arbeitsplatz einschließlich der Aus-dünstungen aus gesundheitlich bedenklichen Kunststoffen.
Statistisch ist mittlerweile nachgewiesen, dass für Personen mit Arthritis (oder anderen Entzündungskrankheiten), Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck oder Stressleiden ein stark erhöhtes Risiko besteht. Rauchen, Schwangerschaft und das Klimakterium stellen darüber hinaus Vorbelastungen dar. Aber auch für gesunde Menschen kann die Summe der schädigenden Faktoren am Computer schnell zu groß werden.
Zu den durch Studien belegten möglichen Folgen unergonomischer Arbeitsplätze gehören unter anderem das Karpaltunnelsyndrom, Sehnen- und Sehnenscheidenentzündungen, Muskelschmerzen in Hand, Handgelenk, Arm oder Nacken, Kopfschmerzen, Übelkeit, Burn-out-Syndrom und Schädigungen am Sehapparat.
Flexible Möbel
Wichtig ist zunächst ein ausreichendes Platzangebot am Praxiscomputer. Die Arbeitsfläche sollte groß genug sein, um Rechner, Monitor, Eingabegeräte und Peripherie sinnvoll unterzubringen und bequeme Handauflagen zu ermöglichen. Oft ist gerade an der Rezeption der Platz zu gering bemessen, weil auch noch genügend Arbeitsfläche für andere Arbeiten auf dem Schreibtisch bereitgehalten werden muss oder zu kleine Computermöbel bereitstehen. Die Maus sollte sich direkt neben der Tastatur in gleicher Höhe mit ihr befinden. Um eine unnatürliche Haltung zu verhindern, muss die Ebene der Eingabegeräte so hoch sein, dass Unterarme und Handgelenke parallel zum Fußboden ausgerichtet sind. Genügend Platz vor der Tastatur ermöglicht es dem Anwender, bei Ermüdung die Handballen gelegentlich aufzustützen. Dauerhaft sollten sich die Hände beim Tippen jedoch in einer frei schwebenden Position direkt über der Tastatur befinden. Die Oberarme hängen in der idealen Haltung entspannt senkrecht herab, während die Unterarme im rechten Winkel gehalten werden. Für ein entspanntes Arbeiten müssen sich Hände und Unterarme in einer geraden natürlichen Linie befinden. Die Hände sollten weder seitlich noch nach unten abgewinkelt sein.
Eine derart präzise Sitzposition lässt sich nur mit einstellbaren Büromöbeln erreichen. Der Stuhl sollte deshalb in weiten Bereichen stufenlos in der Höhe verstellbar sein. Eine einstellba-re Rückenlehne sorgt außerdem für den richtigen Armwinkel während der Arbeit und für eine entlastende Stützung der unteren Rückenpartie. Um den Arbeitsplatz auch an besonders kleine oder große Menschen anpassen zu können, sollte der Arbeitstisch in der Höhe verstellbar sein. Zumindest muss seine Höhe so bemessen sein, dass ein Mensch von durchschnittlicher Größe bei ergonomischer Position den Bürostuhl um etwa den gleichen Betrag nach oben, wie nach unten verstellen kann.
Oft sind jedoch spezielle Computermöbel so niedrig, dass nur kleinere Menschen eine ergonomische Haltung einnehmen können, wogegen der Tresen in der Rezeption so hoch ist, dass nur größere Personen bequem daran Platz nehmen können.
Für nicht höhenverstellbare Tische sind Fußstützen eine brauchbare Alternative, denn sie gleichen eine zu große Stuhlhöhe aus. Außerdem können sie auch Personen mit kürzeren Beinen wesentliche Erleichterungen verschaffen. Die Fußstütze sollte in der Höhe verstellbar und getrennt davon beliebig neigbar sein. Schwere kippsichere Konstruktionen aus Metall mit rutschfestem Kunststoffbelag erhöhen zusätzlich die Sicherheit.
Risikoquelle Tastatur
Eine große Erleichterung für die Handgelenke sind nach außen abgewinkelte Tastaturen, wie sie beispielsweise von Microsoft, Cherry und Peacock vertrieben werden.
Sie ermöglichen den Händen eine gerade natürliche Linie. Das seitliche Abwinkeln der Handgelenke, das bei den üblichen Tastaturen notwendig ist, wird mit abgewinkelten Tastaturen vermieden. Bei den meisten gesundheitlichen Problemen mit Handgelenken und Sehnen sind falsche Handgelenkwinkel bei der Texteingabe die Ursache. Allerdings sind abgewinkelte Tastaturen gewöhnungsbedürftig und erfordern für flüssiges Arbeiten eine Einarbeitungszeit von circa zwei bis drei Wochen. Ist die Gewöhnungsphase überwunden, ermöglichen Ergo-Keyboards ein wesentlich entspannteres Arbeiten als herkömmliche Modelle.
Eine Alternative sind Gel-gefüllte, weiche Handgelenkauflagen für Tastatur, Maus oder Trackball, die unterhalb der Eingabeinstrumente positioniert werden und die dem Handballen und Handgelenk einen bequemen Ruhepunkt bieten. Gelenke und Finger müssen dabei nicht abgewinkelt werden, wie dies bei einer Handballenauflage auf dem Schreibtisch nötig ist, sondern befinden sich durch die leichte Erhöhung in einer bequemen Position.
Die Bildqualität
Das Thema Strahlungsfreiheit von Monitoren war der Auslöser für sämtliche folgenden Ergonomiebestrebungen an Computerarbeitsplätzen. Seit quasi alle Monitore den MPR- und den neues-
ten TCO-Standard erfüllen und die nahezu strahlungsfreien TFT-Displays auf dem Markt sind, hat sich das Thema entschärft. Das betrifft aber nicht die restlichen Monitoraspekte.
So sollte ein vertikal und horizontal beweglicher Monitorfuß auch an kleineren Arbeitsplätzen nicht fehlen. Durch ihn lässt sich die Bildfläche so justieren, dass sie bei einem idealen Abstand von etwa 50 bis 60 Zentimeter direkt auf den Anwender gerichtet ist. Dies vermeidet unnötige seitliche Reflexionen. Gleichzeitig sollte sich der obere Rand der Bildschirmfläche in Augenhöhe befinden. Mit einem größeren Monitor ab 17 Zoll ist dies nur schwer zu erreichen, wenn sich unter ihm noch der Desktop-Rechner befindet. Deshalb ist ein separat stehender Tower-PC empfehlenswert, der auch die strahlende, hochgetaktete CPU vom Anwender möglichst fern hält.
Entscheidend für augenschonendes Arbeiten sind auch die Größe und Bildqualität des verwendeten Monitors. Die EG-Richtlinien schreiben hierfür in einem gesonderten Artikel Schutzziele vor. Es darf zum Beispiel kein störendes Bildschirmflimmern erkennbar sein oder nachgewiesen werden. Darüber hinaus sind ein ausreichender Kontrast und gute Bildschärfe vorgeschrieben. Damit die Augen nicht übermäßig angestrengt werden, muss die Zeichengröße ausreichend sein. Dies ist ein besonders wichtiger Bestandteil der neuen EG-Richtlinien.
Großformatige Bildschirme ermöglichen die Darstellung eines relativ großen Bildausschnitts bei gleichzeitig guter Zeichengröße. Deshalb werden auch für textorientierte Arbeiten vermehrt 17-Zoll-Bildschirme eingesetzt, wogegen 14- und 15-Zoll-Geräte in der Praxis nicht mehr eingesetzt werden sollten.
Falls größere Monitore mit Grafikkarten zusammenarbeiten, die nur eine ungenügende Auflösung bieten (zum Beispiel 640 x 480 Pixel), ist die Bildauflösung pro Quadratzentimeter zu gering. Die Zeichen erscheinen dann trotz guter Bildqualität des Monitors und ausreichender Zeichengröße zu grob „gerastert“. Dies führt zu frühzeitiger Ermüdung der Augen.
Verborgene Belastungen
Zu den häufig zu wenig beachteten ergonomischen Aspekten gehören Reflexionen auf dem Bildschirm. Diese können vor allem an gut beleuchteten Rezeptionen sehr stark sein. Lichtreflexionen durch einfallendes Tageslicht oder Kunstbeleuchtung sollten jedoch weitgehend vermieden werden. Monitore werden deshalb immer seitlich zu einer Lichtquelle aufgestellt. Zusätzlichen Schutz bieten Antireflexbeschichtungen auf der Bildschirmoberfläche. Am wirkungsvolls-
ten erwies sich hier die Lambda-Viertel-Beschichtung. Sie löscht Reflexionen durch eine 180-Grad-Phasenverschiebung des einfallenden Lichts gegenüber dem ausfallenden Licht fast vollständig.
Augenentlastend ist auch die korrekte Einstellung der Farbtemperatur des Bildschirms. Für kaltes Umgebungslicht (ein Beispiel hierfür sind Leuchtstofflampen ohne Tageslicht-Spektrum) bedeutet ein etwas wärmerer Farbton am Bildschirm einen wohltuenden und entspannenden Kontrast. Warme Beleuchtung – zum Beispiel durch eine nicht umgehbare schwache, indirekte Beleuchtung – kann durch einen kühleren Farbton ausgeglichen werden.
Als sehr ermüdend hat sich der ständige Blickwechsel zwischen Vorlage und Bildschirm erwiesen. Er durchbricht zwar die Fixation der Augen, doch sorgt er für Stress, weil die Textpassage in der Vorlage immer wieder neu gesucht werden muss. Abhilfe schaffen Vorlagenhalter, die seitlich am Monitor angebracht werden und im gleichen Blickabstand wie der Monitor liegen. Die Augen müssen nicht ständig die Vorlage neu ins Blickfeld fassen, sodass ruhigeres und konzentrierteres Arbeiten möglich ist.
Unterschwellige Störgeräusche vermeiden
Nur selten denkt jemand bei Gesundheitsproblemen auch an Störgeräusche als Verursacher. EDV-bedingte Störgeräusche, wie beispielsweise rauschende Lüfter, pfeifende Speichermedien oder ständig piepsende Modems, sind jedoch häufig die Ursache für Kopfschmerzen, Hörschädigungen und erhöhten Stress. Derart monotone Geräusche in „gefährlichen“ Frequenzspektren sollten an einem ergonomischen Arbeitsplatz deshalb vermieden werden, auch wenn die Lautstärke nur gering ist.
Gesundheitliche Schädigungen treten hier nicht aufgrund eines hohen Geräuschpegels auf, sondern werden durch die latente Reizung der Sinne mit immer gleichen Frequenzen bewirkt. Michael Funk


Die ideale Sitzhaltung am PC-Arbeitsplatz ist per Gesetz festgelegt. Informationen über die genauen Werte erteilt zum Beispiel die EG, der TÜV oder TCO in Schweden.


Handauflagen, die mit Gel gefüllt sind, schonen die Handballen vor schmerzhaften Druckstellen.


Zu dichtes Arbeiten am zu kleinen Monitor und eine zu hohe Arbeitsplatte sind häufige Kritikpunkte in den Praxen. Hier stimmt wenigstens die bequeme Handauflage.


Meist ist der Rechner in der Arztpraxis oder im Labor unergonomisch platziert. Bereits nach wenigen Minuten können hier Rückenschmerzen auftreten.
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