ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2001Private Kran­ken­ver­siche­rung: Aus dem Ruder

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Private Kran­ken­ver­siche­rung: Aus dem Ruder

Dtsch Arztebl 2001; 98(37): A-2301 / B-1993 / C-1853

Clade, Harald

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LNSLNS Allen Kostendämpfungsbemühungen und Sparabsichten zum Trotz powert die private Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) beim Werbeaufwand, beim Marketing und bei Reklamefeldzügen in Funk und Fernsehen und in den Printmedien. Solche Aktionen gehen zumeist zulasten der langjährigen Versicherten, die bereits im Sommer vorsorglich auf „Beitragsanpassungen“ sachte vorbereitet wurden. Zugleich wird Druck auf die Ärzte ausgeübt, nicht zuletzt mit einem als Disease Management getarnten erhöhten Kontroll- und Prüfaufwand bei den Privatliquidationen.
Selbst Branchen-Insidern ist es bisher nicht gelungen, aus der Entwicklung des Brutto-Neugeschäfts verlässliche Rückschlüsse auf den Abschlussaufwand der PKV zu ziehen. Tatsache: Auf 4,93 Milliarden DM (1999: 4,85 Milliarden DM) addieren sich die Verwaltungs- und Abschlusskosten der Branche im Jahr 2000, wie der jüngste Rechenschaftsbericht des PKV-Verbandes ausweist. Davon entfielen allein 3,48 Milliarden DM auf die Abschlusskosten, weitere 1,45 Milliarden DM auf die Verwaltungskosten. Diese Summen sind happig, kontrastieren sie doch mit der Entwicklung der Erstattungsleistungen für die privatärztliche Behandlung. Besonders um die steigenden Abschlussprämien macht die PKV ein Geheimnis. Insider vermuten, dass manche Gesellschaften eine ganze Jahresprämie für Provisionen investieren.
Abschlussprämien werden aber nicht nur für echte Neuabschlüsse ausgeschüttet, sondern auch für so genannte Umdeckungen. Damit sind privat Krankenversicherte gemeint, die der Makler von einem Kran­ken­ver­siche­rungsunternehmen zum nächsten bringt. Die hohen Provisionssätze reizen zu weiteren Umdeckungen. Ihre Zahl hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Maximierungsgrenzen im Hinblick auf die höchsten zulässigen Abschlusskosten gibt es bei der PKV nicht – im Gegensatz beispielsweise zur Lebensversicherung. Allerdings können beschränkte Abschlussprovisionen das Problem der Umdeckungen nicht lösen. Hier wäre der Verband der privaten Kran­ken­ver­siche­rung gefordert, ordnend einzugreifen. Wenn hier nicht ein brancheninterner Konsens erzielt wird, sollte der Gesetzgeber eingreifen und den Ausuferungen Einhalt gebieten. Dr. rer. pol. Harald Clade
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