ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2001Christiaan Barnard: Pionier und „Star“

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Christiaan Barnard: Pionier und „Star“

Dtsch Arztebl 2001; 98(37): A-2301 / B-1993 / C-1853

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Am 3. Dezember 1967 begann in zweifacher Hinsicht eine neue Ära: An diesem Tage erhielt nicht nur Louis Washkansky im Groote-Schuur-Krankenhaus von Kapstadt erstmals das Herz eines anderen Menschen, es wurde auch eine neue Art von Star „geboren“. Mit dem spektakulären Eingriff wurde erstmals ein Mediziner, der Chirurg Christiaan Barnard, über Nacht weltweit zum Liebling der Medien, des Jet-Sets und der Frauen. Und der „Sunnyboy mit dem ewigen Lächeln“ genoss die ihm plötzlich zuteil gewordene Popularität und das Leben in vollen Zügen. Für Mediziner damals völlig unüblich wurde sein Privatleben – drei gescheiterte Ehen und zahlreiche Affären – in allen Gazetten abgehandelt.
Das Leben in Glamour ist allerdings nur eine Seite von Christiaan Barnard. Selbst Kritiker attestierten ihm, dass er das chirurgische Handwerk in den USA von der „Pieke auf“ gelernt habe und beherrsche. Vor dem spektakulären Eingriff hatte Barnard nicht nur etwa tausend Herzoperationen vorgenommen, sondern in Tierversuchen auch spezielle Gefäßnahttechniken erprobt und die Wirkung von Medikamenten am isolierten Herzen getestet. Am 3. Dezember 1967 unternahm er schließlich den – nach seinen eigenen Worten – „Sprung ins kalte Wasser“, der ihn zu einem der populärsten Mediziner seiner Zeit machte.
Für ihn stellte die erste Verpflanzung eines menschlichen Herzens keinen wissenschaftlichen Durchbruch dar, sondern lediglich die Einführung einer neuen herzchirurgischen Technik. Dass mit dem Eingriff eine ethische Grenze überschritten worden war, wurde seinerzeit viel weniger diskutiert als beispielsweise heute die Verwendung embryonaler Stammzellen.
Barnard und sein Team transplantierten 420 Herzen; weltweit kam seine Technik über 40 000 Mal zum Einsatz. Mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate von über 80 Prozent gilt das Verfahren – nicht zuletzt aufgrund der Entwicklung immunsuppressiver Therapien – als etabliert. Weniger bekannt als das bewegte Privatleben Barnards wurde sein soziales Engagement. Nachdem der Chirurg 1983 seine Operationstätigkeit infolge einer schweren Arthritis aufgeben musste, engagierte er sich mit der „Christiaan-Barnard-Foun-dation“ für herzkranke Kinder in aller Welt. Dr. med. Vera Zylka-Menhorn
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