ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2001Migranten: Quecksilber-Intoxikation

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Migranten: Quecksilber-Intoxikation

Dtsch Arztebl 2001; 98(37): A-2305 / B-1967 / C-1850

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LNSLNS Bleichsalbe wegen Aberglaubens angewendet
Kinder mit stark erhöhten Quecksilberwerten im Urin entdeckte das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg bei umweltbezogenen Schulreihenuntersuchungen. Betroffen waren fast nur Kinder, deren Familien in den letzten Jahren aus dem Kosovo oder angrenzenden Balkanländern eingewandert waren. Ursache der Hg-Intoxikation sind Bleichsalben, deren Quecksilberanteil bei bis zu 30 Prozent liegt. Durch die – oft verheimlichte – Anwendung der Bleichsalben, denen magische Kräfte zugeschrieben werden, traten auch bei anderen Familienmitgliedern hohe Hg-Konzentrationen im Urin mit quecksilberassoziierten Vergiftungssymptomen auf. Gemessen wurden Spitzenwerte von mehr als 500 µg Hg/l Urin.
Das Landesgesundheitsamt rät Ärzten, bei chronischen zentralnervösen Beschwerden, Appetitlosigkeit, Übelkeit und gastrointestinalen Störungen von Patienten aus dem Kosovo und Umgebung, Quecksilberbelastung in die Differenzialdiagnose einzubeziehen. Bei Körperkonzentrationen von mehr als 200 µg Hg/g Kreatinin sollte in Absprache mit einer regionalen Giftinformationszentrale eine Eliminationstherapie mit Chelatbildnern in Betracht gezogen werden.


Bei Schulreihenuntersuchungen entdeckten Ärzte die stark erhöhten Quecksilberwerte im Urin.
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