ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2001Migräne: Behandlung ist nicht effizient genug

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Migräne: Behandlung ist nicht effizient genug

Dtsch Arztebl 2001; 98(37): A-2305 / B-1967 / C-1850

EB

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LNSLNS Migräne-Patienten sind in Deutschland medizinisch deutlich schlechter versorgt als in anderen europäischen Ländern. Dies belegen aktuelle Daten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Die mangelhafte Therapie beeinträchtige nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sie belaste auch die Volkswirtschaft mit jährlich acht Milliarden DM durch Arbeitsunfähigkeit und eingeschränkte Produktivität der Patienten, so Prof. Volker Pfaffenrath als Vizepräsident der Gesellschaft. Nur die Hälfte der Patienten befinde sich in ärztlicher Behandlung. Allerdings: Drei Viertel der ärztlichen Verordnungen stimmten nicht mit den gültigen Therpieempfehlungen überein. Dass sich daran nur wenig geändert hat, belegen Daten aus dem vergangenen Jahr. Danach erhalten die Hälfte der Migräne-Kranken, die sich in ärztlicher Behandlung befinden, freiverkäufliche Analgetika; diese sind jedoch nur bei leichten Migräneattacken wirksam. Nur 14 Prozent der Patienten werden Arzneimittel aus der Gruppe der Triptane verordnet. Demgegenüber nehmen 36 Prozent der Betroffenen nach wie vor Ergotamin-Präparate ein, die den Triptanen in allen Studien bezüglich ihrer Wirksamkeit deutlich unterlegen waren.

Die Behandlung mit Ergotamintartrat sollte daher nach Empfehlung der DMKG sehr langen Migräneattacken oder solchen mit multiplen Rückfällen vorbehalten bleiben. Darüber hinaus kann die gehäufte Einnahme von Ergotamin oder Dihydroergotamin zu Dauerkopfschmerzen führen, die in ihrer Charakteristik kaum von den Migränekopfschmerzen zu differenzieren sind.

Da ohnehin nur die Hälfte der Migräne-Patienten den Arzt konsultiert, kann man nach Angaben von Pfaffenrath davon ausgehen, dass schätzungsweise 75 Prozent aller Migräne-Patienten freiverkäufliche Analgetika einnehmen, 18 Prozent mit Ergotaminen und nur sieben Prozent mit Triptanen behandelt werden: „Würden die aktuellen Therapie-Empfehlungen zur Migräne von den Ärzten im Praxisalltag umgesetzt, könnten viel mehr Patienten von einer effektiven Behandlung profitieren.“ Im Gegensatz zu den Experten, so die Umfragen, schätzen viele Mediziner die Triptane zur Therapie von mittelschweren bis starken Migräneattacken jedoch eher als Mittel der letzten denn als Mittel der ersten Wahl ein. Auch die Sorge, das Arzneimittel-Budget zu überschreiten, spiele hierfür eine Rolle. EB
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