BRIEFE

Psychoanalyse: Fragen

Dtsch Arztebl 2001; 98(37): A-2340 / B-1995 / C-1877

Schmidt-Endres, Holger

Zu dem Beitrag „Schwierige Evaluation“ von Petra Bühring in Heft 30/2001:
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LNSLNS Die genannten „Studien“ zeigen, dass diejenigen Psychoanalyse-Patienten, die bereit zu einer Befragung waren, sich besser fühlten als vorher – aber häufiger arbeitsunfähig sind. Daraus kann man nicht auf die Wirksamkeit der Psychoanalyse schließen. Wie viele dieser Patienten
würden sich auch ohne Behandlung besser fühlen? Was ist mit den Patienten, die nicht an der Befragung teilnahmen: sind die tot, kränker, in anderer Behandlung? Wie wurden die Patienten für die Therapie ausgewählt, nach dem Zufallsprinzip oder vom Behandler selbst?
Es gibt auch andere Beobachtungen: Psychoanalyse-Patienten sind überdurchschnittlich jung, attraktiv, besser verdienend, verbal kompetent, intelligent und einsichtsfähig – haben also eine von vornherein bessere Prognose. Psychoanalysen können auch zur Verschlechterung bis hin zum Suizid des Patienten führen.
Für eine Aussage über Wirkungen und Nebenwirkungen (!) einer Therapie müssen die Patienten nach dem Zufallsprinzip auf Behandlungs- und Kontrollgruppe verteilt werden, und jeder Patient muss in der Auswertung berücksichtigt werden, gerade auch die Abbrecher und Suizidenten. Auch ethische Überlegungen spielen eine Rolle: Dürfen wir Patienten auf der Warteliste für Psychotherapie leiden lassen, indem wir Behandlungen zulassen, die aufwendiger sind als andere nachweisbar wirksame Verfahren?
Dr. Holger Schmidt-Endres
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