ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2001Kanadische CT-Indikationen bei Kopfverletzungen

MEDIZIN: Referiert

Kanadische CT-Indikationen bei Kopfverletzungen

Dtsch Arztebl 2001; 98(37): A-2354 / B-2008 / C-1890

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LNSLNS Fünf diagnostische Hauptkriterien sollen das Notfall-Management bei leichteren Kopfverletzungen erleichtern.
In Ermangelung eindeutiger diagnostischer Richtlinien werden zunehmend auch bei leichteren Kopfverletzungen mit Werten von 13 bis 15 nach der Glasgow-Koma-Skala (GKS) CT-Aufnahmen zum Ausschluss einer intrakraniellen Blutung herangezogen – eine der Sicherheit dienende, aber teure Praxis.
Ein diagnostischer Kriterienkatalog, der von Ian Stiell et al. im Rahmen einer prospektiven Studie an zehn großen kanadischen Notfallzentren entwickelt wurde – die so genannte Canadian CT Head Rule – soll die adäquate Risikoabschätzung bei Patienten mit leichteren Schädelverletzungen ermöglichen.
Fünf Hauptkriterien erwiesen sich dabei als zu 100 Prozent sensitive Prädiktoren für einen weiteren neurologischen oder neurochirurgischen Interventionsbedarf: das Nichterreichen eines GKS-Wertes von 15 innerhalb von zwei Stunden, der Verdacht auf eine offene Schädelfraktur, jedweder Hinweis auf eine Schädelbasisfraktur, mindestens zweimaliges Erbrechen und ein Alter von mindestens 65 Jahren. Zwei Nebenkriterien, eine retrograde Amnesie von mehr als 30 Minuten Dauer sowie ein gefährlicher Verletzungshergang, geben zusätzliche Informationen zum weiteren Procedere.
Weisen die Verletzten mindestens ein Hauptkriterium auf, so wird in der Regel ein neurochirurgischer Eingriff nötig sein, und eine CT-Aufnahme ist immer indiziert. Ist jedoch nur ein Nebenkriterium erfüllt, könnte der Patient zwar klinisch bedeutsame und auch auf dem CT erkennbare Läsionen haben, die aber keine neurochirurgischen Interventionen zur Folge haben werden, sodass bei diesen Patienten auf die CT-Untersuchung verzichtet werden kann.
Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass diese neue CT-Regel, dank einer ausreichenden Studiengröße und der methodologischen Strenge, durchaus das Potenzial habe, Standard in der Notfallbehandlung von Patienten mit leichteren Kopfverletzungen zu werden und damit sowohl unnötige Strahlenbelastungen für die Patienten als auch Kosten für die Krankenhäuser zu vermeiden. goa

Stiell IG et al.: The Canadian CT head rule for patients with minor head injury. Lancet 2001; 357: 1391–1396.

Ian G Stiell, Clinical Epidemiology Unit, F6, Ottawa Hospital Loeb Health Research Institute, Ottawa, Ontario, Kanada K1Y 4E9, E-Mail: istiell@ohri.ca.

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