VARIA: Bücher

Lise Meitner

Dtsch Arztebl 2001; 98(37): A-2369 / B-2025 / C-1901

Lewin Sime, Ruth

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LNSLNS Ruth Lewin Sime: Lise Meitner. Ein Leben für die Physik. Insel Verlag, Frankfurt am Main, 2001, 662 Seiten, gebunden, mit Schutzumschlag, 68 DM


1878 in Wien geboren, hatte Lise Meitner als Frau keine Aussicht auf eine gute Ausbildung. Trotzdem wurde sie eine der ersten Physikstudentinnen. Als Doktorandin in Berlin arbeitete sie mit Otto Hahn am Kaiser-Wilhelm-Institut zusammen. Alpha- und Betastrahlung und die Radioaktivität faszinierten sie. Ihre Vision von der Physik: das Streben nach Wahrheit. Als erste Frau in Preußen erhielt sie eine Professur und ein eigenes Institut. 1933 war sie international anerkannt und mit Max Planck, Albert Einstein und Niels Bohr befreundet. Doch als Jüdin musste sie – fast sechzigjährig – 1938 vor den Nazis fliehen. Mit Spannung verfolgt der Leser ihren Weg über Holland nach Schweden. „Ich habe doch nichts Unrechtes getan, warum soll ich plötzlich sozusagen als nicht existierend – oder schlimmer – als lebendig begraben behandelt werden?“, schrieb sie verzweifelt an Hahn.
Nur geduldet fühlte sie sich am Nobel-Institut in Stockholm. Dort entdeckte sie die Kernspaltung und hoffte auf eine friedliche Nutzung. 1945, nach dem Abwurf der Atombombe in Hiroshima, schrieb sie entsetzt: „Wir sind leider unseren technischen Fortschritten seelisch und moralisch in keiner Weise gewachsen.“ Den Nobelpreis (1946) für die Entdeckung der Kernspaltung erhielt jedoch Otto Hahn. Lise Meitners Leben war ein ständiger Kampf um Anerkennung, bis sie 1968 in Cambridge starb.
Die Autorin, Chemieprofessorin in Sacramento/Kalifornien, stellt anhand von Dokumenten einiges im Sinne Lise Meitners richtig. Das Buch, mit fundierter Sachlichkeit und stilistisch meisterhaft geschrieben, vermittelt neben dem Biografischen viele Einzelheiten aus der Physik, auch der Kernspaltung. Es ist eine umfangreiche, akribische Arbeit mit vielen ausführlichen Anmerkungen, ein Sachbuch von höchstem Rang.
Maja Rehbein
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