ArchivDeutsches Ärzteblatt39/1996Transdermale Analgesie: Hohe Akzeptanz des Fentanyl-Pflasters

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Transdermale Analgesie: Hohe Akzeptanz des Fentanyl-Pflasters

Noll, Monika

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LNSLNS Seit fast einem Jahr ist transdermales Fentanyl (Durogesic(r), Janssen-Cilag) in Deutschland zugelassen. Der Wirkstoff ist bereits seit 1959 bekannt. Neu ist die Applikationsform als Pflaster. Durch eine Membran erfolgt eine gleichmäßige Wirkstoffabgabe. So ist eine stabile Schmerzreduktion möglich. Alle zwei bis drei Tage wird das Pflaster gewechselt. Für Patienten mit stark schwankendem oder ständig zunehmendem Schmerzniveau ist das Pflaster ungeeignet. Im Verlauf verschiedener Studien wurden eine gute Schmerzreduktion sowie die Abnahme von Obstipation beobachtet.
Nach Ansicht verschiedener Schmerztherapeuten aus Essen hat das transdermale Fentanyl die Analgesie verändert. Einige Ärzte sind zurückhaltender mit invasiven Methoden geworden. Die Akzeptanz von transdermalem Fentanyl bei Patienten ist sehr hoch. Das Pflaster erscheint dann geeignet, wenn der Patient die Einnahmeintervalle oraler Medikamente nicht mehr einhalten kann, weil er zum Beispiel verwirrt ist, oder wenn ein Patient nicht mehr schlucken kann beziehungsweise wenn er unter Verstopfung leidet. Bei akuten Schmerzen hingegen ist das Pflaster nicht indiziert, da es bis zu 24 Stunden dauern kann, bis die Wirkung einsetzt. Auch warnten die Fachleute davor, das Pflaster zu leichtfertig zu verschreiben, da es sich um ein stark wirksames Opioid handelt und im WHO-Stufenschema der Schmerztherapie auf Stufe III zu finden ist.
Die Schmerzexperten kritisierten jedoch die Einstellung einiger Fachärzte. So ist zum Beispiel für Orthopäden der Schmerz oft ein sekundäres Problem. Daher vergehen in vielen Fällen Jahre, bis ein Patient in der Schmerzambulanz adäquat behandelt wird. Bei Tumorpatienten ist die Sensibilität der Ärzte gegenüber Schmerzen höher, so die Ansicht der Experten.
Dennoch vernachlässigen auch einige Onkologen die Analgesie, da für sie der Schmerz als Marker für das Stadium der Erkrankung und für den Effekt der Therapie dient. Häufig fehlt auch eine ausreichende Dokumentation in Form eines Schmerztagebuchs, das die Wahl einer adäquaten Behandlung erst ermöglicht. Und Hausärzte tendieren nach den Erfahrungen der Schmerztherapeuten dazu, die Medikamente unterzudosieren, um einer Abhängigkeit vorzubeugen. Dennoch führen in den meisten Fällen niedergelassene Ärzte die Grundeinstellung der Patienten durch. Bei Schwierigkeiten oder in höheren Dosisbereichen wird der Patient zur Schmerztherapie überwiesen. Monika Noll
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