ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2001Die Hochleistungskuh und das CO2

VARIA: Schlusspunkt

Die Hochleistungskuh und das CO2

Dtsch Arztebl 2001; 98(37): [84]

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LNSLNS Für eine Kalorie Rindfleisch werden bis zu 30 Kalorien Fremdenergie benötigt. Etwa 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland werden für die Tierfutterproduktion verwendet, nur 30 Prozent für menschliche Nahrung. Die Landwirtschaft ist mit circa 50 Prozent durch Überdüngung und Jauche an der Wasserverschmutzung beteiligt, eine Hochleistungskuh erzeugt so viel CO2 wie ein PKW auf 15 000 km. Wir geben 800 Millionen DM für Arzneimittel in der Tiermast aus, zum großen Teil für völlig überflüssige Antibiotika.
1991 wurden in den Niederlanden auf circa 1 570 Hektar Gewächshausfläche 650 000 Tonnen Tomaten produziert. Um eine Kalorie Tomate zu erzeugen, müssen 100 Kalorien investiert werden. 79 Prozent der Energie geht in das Heizen der Gewächshäuser. Wir haben keine Zeit mehr, um auf die Sonnenenergie zu warten, wir brauchen Tomaten schon zu Weihnachten. Auf keinem Buffet darf die Tomate zum Garnieren fehlen. Hauptsache, sie ist schön rot und fest, Geschmack ist sekundär, Hygiene im Übrigen auch. Da holländische Tomaten nicht mehr in Erde wachsen, woraus ja der Geschmack käme, sondern auf einem Gemisch verschiedener Fasern und Nährlösungen, in denen sich Bakterien hervorragend vermehren können, kann eine einzige Tomate Tausende von Bakterien enthalten, die für abwehrgeschwächte Patienten lebensgefährlich werden können.
Die Deutschen sind Weltmeister im Konsum von Orangensaft, rund 20 Liter je Person, das heißt etwa 1,5 Milliarden Liter jährlich. Die für diese Saftmenge notwendige Anbaufläche entspricht etwa der Größe des Saarlandes. In Swimmingpools ausgedrückt: Wir Deutschen trinken jährlich 1 500 Olympia-Schwimmbecken, gefüllt mit Orangensaft, leer, 60 000 Tanklastwagen sind notwendig, um diese Schwimmbecken wieder zu füllen. Der meiste Orangensaft kommt aber nicht aus Sizilien oder Spanien, sondern aus Südamerika. Von dort wird er energiereich konzentriert und gekühlt oder gefroren nach Deutschland verschifft, von den deutschen Häfen geht das Konzentrat an einige Abfüllstellen im Landesinneren. Dort wird dann wieder Wasser zugesetzt. Wir deutschen Orangensaftkonsumenten verbrauchen dadurch 40 Millionen Liter Kraftstoff, die mehr als 100 000 Tonnen CO2 in die Luft blasen.
Aus: Prof. Dr. med. Franz Daschner, Brauchen wir eine grüne Medizin?, Dies Universitatis, Freiburg, 27. Juni 2001
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