ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2001Terrorismus: Hexen-Botschaft

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Terrorismus: Hexen-Botschaft

Dtsch Arztebl 2001; 98(38): A-2385 / B-2057 / C-1909

Jachertz, Norbert

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LNSLNS Denn wie ihr wisst, war Sicherheit des Menschen Erbfeind jederzeit.“ So lautet die verstörende Botschaft der Hexen in Shakespeares Macbeth. Doch streben wir nicht alle zeitlebens privat nach Sicherheit, verläuft nicht unser öffentliches Leben in der Annahme, die Verhältnisse seien auf Jahre und Jahrzehnte planbar und gesetzlich zu regeln?
Durch die terroristischen Anschläge in New York und Washington ist unsere Sicherheit, derer wir uns im Westen lange gewiss waren, heftig erschüttert worden. In anderen Kulturkreisen, erinnern wir uns an Afrika oder den Nahen Osten, gibt es Sicherheit schon seit Generationen nicht mehr.
Das öffentliche Leben hierzulande geht zwar seinen gewohnten Gang, doch Verhandlungen über kassenärztliche Honorare, Arzneimittelsicherheit oder den Risiko­struk­tur­aus­gleich laufen ab wie unter einer Glocke der Unwirklichkeit. Wir empfinden plötzlich die relative Bedeutung von Beitragssatzstabilität oder Budgetierung, tun aber so, als ob alles normal liefe, befürchten insgeheim zugleich aber Schlimmes.
Standen wir zunächst unter dem Eindruck der Katastrophen und der menschlichen Schicksale in den Vereinigten Staaten, so bedrücken uns jetzt Ängste vor Gegenschlägen mit einem vielleicht schrecklichen Ende: Nach den Tausenden Opfern der Terroristen Tausende von Kollateralschäden durch Angriffe der zivilisierten Verbündeten. Doch nicht einmal dann könnten wir uns völlig sicher fühlen, so hart und anhaltend die Militärs auch reagieren werden und so markig politische Macher auch tönen mögen.
Unsicherheit ist ein Faktor des menschlichen Lebens. Das müssen wir wissen und Risiken minimieren, zugleich aber weiterleben, als könnten wir auf die Zukunft und unsere Mitmenschen vertrauen. Täten wir das nicht, wäre menschliches Zusammenleben unerträglich. Norbert Jachertz
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